Wirtschaft : „Die Windparks sind ziemlich weit draußen“ UBA-Experte sieht Produktion bei 15 Prozent

Welche Rolle können Windräder, die im Meer errichtet werden, also Offshore- Windparks, bei der Stromversorgung in Deutschland spielen?

Der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Energiemix wird weiter steigen. Bis 2020 ist das Ziel, einen Anteil von 30 Prozent an der Stromerzeugung zu erreichen. Dazu muss auch die Offshore-Windenergie ausgebaut werden; sonst ist das Ziel nicht zu erlangen. Qualitativ bietet die Offshore-Windenergie außerdem im Vergleich zu der an Land einen Vorteil, weil die Stromausbeute ausgeglichener ist. Dennoch dürfen wir den Ausbau und die Modernisierung der Windanlagen an Land nicht vergessen. Daran muss weiter gearbeitet werden.

Wie viel Strom könnte denn in Offshore- Windparks produziert werden?

Bis zum Zeitraum 2025 bis 2030 könnten die Offshore-Windparks bis zur Kapazität von 20 000 bis 25 000 Megawatt ausgebaut werden. Nach unseren Schätzungen könnten die Windparks auf See damit 15 Prozent des heutigen Strombedarfs decken.

Warum hat es in Deutschland so lange gedauert, bis der erste Offshore-Windpark in Angriff genommen worden ist?

Es gibt drei Gründe. Zum einen haben wir die naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen ernster genommen als das in anderen Ländern der Fall war. Wir halten diese Vorgaben ein. Außerdem gehen wir in große Wassertiefen. Das ist technologisch viel anspruchsvoller als direkt vor der Küste. Zum Beispiel brauchen wir für diese Wassertiefen, um wirtschaftlich sein zu können, auch größere Windräder als nahe am Ufer. Und die mussten erst einmal entwickelt und erprobt werden.

Gibt es in diesen Tiefen auch größere Probleme mit der Netzanbindung?

Ja, natürlich. Der Abstand zur Küste ist größer. Zudem liegen die Gebiete, in denen Offshore-Windparks gebaut werden, nicht nahe an großen Kraftwerken. Es gibt also keine natürlichen Anschlusspunkte für das Netz, wie das in anderen Ländern der Fall war.

Sind wir deshalb in diesen tiefen Wassern gelandet, damit man die Windräder vom Land nicht sehen kann? Damit sich Touristen nicht gestört fühlen?

Unsere Meere sind ein vielfach genutzter Wirtschaftsraum. Es gibt eine große Nutzungskonkurrenz von der Bundeswehr über die Fischerei über die Seeschifffahrt bis hin zu Naturschutzgebieten. Das hat dazu geführt, dass die Windparks ziemlich weit draußen gelandet sind. Das war ein Abwägungsprozess zwischen den verschiedenen Interessen.

Warum war es so schwer, Investoren für die Offshore-Windparks zu finden?

Die Stellen, an denen in Deutschland Offshore-Windparks errichtet werden, sind technisch anspruchsvoll und nur mit hohen Investitionskosten realisierbar. Auch die Vorlaufkosten, die Planungskosten, die Zeiträume zwischen dem ersten Entwurf und der Genehmigung und bis die Parks dann betrieben werden können, sind lang. Das können nur Investoren wie etwa die Energieversorger. Die haben aber lieber in anderen Ländern in Offshore-Windparks investiert. Erst sei einiger Zeit sind sie mit dabei – und werden das hoffentlich auch bleiben.

Vor allem die Naturschutzdiskussion ist zum Teil heftig geführt worden. Denken Sie, der Schweinswal hat neben den Windparks auch noch eine Chance?

Ich glaube, wir haben ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz einzelner Arten und dem Klimaschutz gefunden. Das ist aber kein Endzustand. Wir werden weiter beobachten müssen, welche Auswirkungen die Windparks auf einzelne Arten haben. Ich glaube, die Windenergie belastet die Natur weniger, als viele befürchten. Der Schweinswal muss weiter eine Chance haben. Aber das Klima und die Welt auch

Das Gespräch führte Dagmar Dehmer.

Harry Lehmann leitet seit 2004 den Fachbereich Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien im Umweltbundesamt. Zuvor hat er unter anderem für das Wuppertal-Institut gearbeitet.

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