Wirtschaft : Die wirklich großen Unternehmen entstehen in den USA - Europa hat Probleme mitzuhalten (Kommentar)

Jobst-Hinrich Wiskow

MCI Worldcom und Sprint, Exxon und Mobil, Citicorp und Travelers: Ob Telekommunikation, Öl und Banken, quer durch alle Branchen schließen sich Unternehmen zurzeit zusammen. Dabei zeigt sich jetzt schon, dass nicht nur die Großen immer größer werden. Noch ein Trend zeichnet sich ab: Europa bleibt zurück. Die wirklich großen Unternehmen entstehen in den USA. Zwar gibt es auch hierzulande Fusionen - zum Beispiel zwischen Veba und Viag. Sogar über Grenzen hinweg nähern sich die Europäer an - siehe Hoechst und Rhône-Poulenc. Doch in der Rangliste der Großfusionen tauchen alle nicht auf. Selbst die Zusammenschlüsse von Daimler-Benz und Chrysler sowie Deutscher Bank und Bankers Trust nicht. Gleichwohl fällt der Prozess der Integration unterschiedlicher Firmen, Manager, Strategien und Visionen schwer. Beispiel DaimlerChrysler: Führungskräfte und Aktionäre aus den USA ziehen sich zurück, der Aktienkurs notiert ein Drittel niedriger als zu Beginn der Fusion.

Eindeutig: Die Europäer haben Probleme mit Fusionen. Wer leidet darunter? Zunächst die Unternehmen, die gegenüber der internationalen Konkurenz weniger wettbewerbsfähig werden. Schließlich gewinnt Größe in reiferen Branchen an Gewicht. Je älter ein Markt wird, umso weniger sind Gewinne durch neuen Umsatz zu erwirtschaften - und umso mehr durch niedrigere Kosten. Für die Arbeitnehmer ist das bitter. Viele Arbeitsplätze werden ein schnelles Opfer der so genannten Synergie. Nur sind die Jobs auch dann bedroht, wenn Unternehmen nicht mehr mit dem Wettbewerber mithalten können. Die Aktionäre zahlen drauf, wenn sich die Fusionsfantasie nicht umsetzen lässt - Beispiel DaimlerChrysler. Und sie verlieren Geld, wenn sich diese Fantasie erst gar nicht bildet. Schließlich leiden die Verbraucher: Die Annahme, große Fusionen vergrößerten die Marktmacht der Anbieter, ist widerlegt. Oft liefern sich fünf Konkurrenten einen schärferen Wettkampf als 100. Fusionen sind so schädlich nicht - deswegen dienen die USA als Vorbild.

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