Wirtschaft : Die Wirtschaft im Osten kommt in Fahrt

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Die Exportzahlen lassen allerdings zu wünschen übrig - Die Regierung bleibt bei ihrer Konjunkturprognoseaho

Der Osten holt beim Außenhandel nur langsam auf. Wie der Staatsminister für den Aufbau Ost, Rolf Schwanitz, am Montag in Berlin sagte, zeigten die Fakten, dass "noch ein langer Weg vor uns liegt". So kletterten zwar die Exporte im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 56,6 Mrd. DM. Doch damit liegt die Ausfuhrquote immer noch weit hinter dem Anteil im Westen. Insgesamt stammen sechs Prozent aller deutschen Exporte aus den neuen Bundesländern.

Schwanitz erklärte das schwache Exportgeschäft mit mehreren Gründen. So sei die industrielle Basis weiter schwach, zudem fehlten vielen Ostunternehmern die Kenntnisse im Umgang mit dem Ausland und auch das entsprechende Geld, um die Geschäfte vorzufinanzieren. Zu den wichtigsten Exportbranchen im Osten zählt die Autoindustrie. Wie Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, sagte, trägt sie "überproportional" zum Ausfuhrgeschäft bei. Allein in diesem Jahr dürften über eine halbe Mill. Fahrzeuge diesseits der Elbe produziert werden, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Seit Anfang der 90er Jahre haben die Automobilunternehmen in den neuen Ländern mehr als 20 Mrd. DM investiert. Direkt und indirekt, etwa über Zulieferer, seien in dieser Branche über 100 000 Menschen beschäftigt und damit mehr als zu DDR-Zeiten, sagte Gottschalk.

Derweil berichtete das Bundesfinanzministerium, die bereits seit einigen Monaten zu beobachtende Belebung der Nachfrage nach deutschen Industrieerzeugnissen habe sich im Juli fortgesetzt. Demnach legten die Orders in den neuen Ländern und Berlin-Ost stärker als im früheren Bundesgebiet zu. Dabei legten die Aufträge aus dem Ausland besonders stark zu.

Auch die Export-Wirtschaft läuft auf Hochtouren. Vor allem Ausfuhren in die Europäische Währungsunion trugen entscheidend zur Stabilisierung der deutschen Exporte bei. Sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal entwickelten sich die Ausfuhren in die zehn übrigen Euro-Länder deutlich überdurchschnittlich. Bei einem Plus von drei Prozent auf 110 Mrd. DM von April bis Juni erhöhte sich zudem der Exportanteil in die Euro-Zone um 0,5 Prozentpunkte auf 45 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Dem dreiprozentigen Exportplus zu den Euro-Partnern steht im zweiten Quartal lediglich ein Zuwachs von 0,4 Prozent bei der gesamten Ausfuhr der deutschen Wirtschaft gegenüber.

Doch die Ausfuhren stützen weiter die Konjunktur. Daher geht die Bundesregierung weiter von einem kräftigeren konjunkturellen Aufschwung in diesem Jahr aus - nämlich von durchschnittlich 1,5 bis zwei Prozent. Es gebe keine Änderung zu der Vorhersage, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Montag in Berlin. Sie lehnte es ab, zu Berichten Stellung zu nehmen, wonach das Wachstum 1999 nur 1,3 Prozent betragen soll. Erst kürzlich hatten Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) von einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von knapp zwei Prozent gesprochen.
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