Wirtschaft : Die Wirtschaft im Südwesten: Im Ländle ist von Rezession nichts zu spüren

Karin Birk

Die Wirtschaft im Südwesten Deutschlands läuft wie geschmiert. Kurz vor der Landtagswahl lassen sich die Zahlen im Ländle sehen: Die Wirtschaft wächst stärker als in den meisten anderen Bundesländern und die Arbeitslosenrate war mit 5,2 Prozent (Vorjahr: 6,2) im Februar die niedrigste in der ganzen Bundesrepublik. Minsterpräsident Erwin Teufel (CDU) kann zufrieden sein, und macht es seiner Gegnerin Ute Vogt (SPD) in Sachen Wirtschaft im Wahlkampf nicht leicht.

Kritisiert werden kann Teufel allenfalls deshalb, weil er nicht rechtzeitig dafür gesorgt hat, dass die Universitäten im Land genügend Ingenieure ausgebildet haben. Denn daran mangelt es besonders. Ganz gleich ob beim Autozulieferer Bosch, bei IBM oder Hewlett Packard in Sindelfingen überall fehlen die Fachkräfte. Der Markt ist leer gefegt. "Wir brauchen wesentlich länger als früher geeignetes Personal zu finden", sagt etwa Helmut Krumm, Pressesprecher bei Bosch in Gerlingen.

Ansonsten kann sich die Wirtschaft wenig beklagen: Noch sind die Auftragsbücher gut gefüllt und die Fabriken ausgelastet. Im Januar hat die Industrie im Vergleich zum Vorjahr sogar noch einmal kräftig zugelegt. Wieder einmal waren es vor allem die Export-Unternehmen. Zwar schweben auch über dem Südwesten die düsteren Wolken einer sich abschwächenden Weltkonjunktur, doch bis jetzt sind noch keine direkten Auswirkungen zu spüren, wie Bernd Engelhardt zum Ergebnis der jüngsten Konjuntkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart sagte.

Dies war nicht immer so: Noch Anfang der 90er Jahre ging besonders die Industrie durch eine schwere Krise. Viele Maschinenbauer und Autozulieferer mussten im Zuge einer weltweiten Rezession radikal Stellen abbauen, manche sogar ganz schließen. Die Wirtschaft schrumpfte und erholte sich erst in den vergangenen Jahren wieder. Glänzend ging es dem Land dagegen im vergangenen Jahr: "Mit einem Wachstum von 4,2 Prozent hat sich die Wirtschaft im Südwesten weitaus dynamischer gezeigt als im gesamten Bundesgebiet", sagt Eberhard Leibing, Chef des Statistischen Landesamtes in Stuttgart. Hier legte die Wirtschaft um 3,1 Prozent zu. In Berlin waren es nur 1,3 Prozent. Für dieses Jahr ist Leibing aber weniger optimistisch. "Auch wir werden die schwächere Weltkonjunktur im Herbst zu spüren bekommen", sagt er und prognostiziert ein Wachstum von knapp über drei Prozent für Baden-Württemberg.

Doch woran liegt es, dass im Südwesten relativ gut läuft? "In einem günstigen Mix aus New und Old Economy", meint Günter Klee, Geschäftsführer des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen. Anders als etwa in Nordrhein-Westfalen oder im Saarland, wo der Strukturwandel in der Kohle- und Stahlindustrie viel Kraft kostet, sind in Baden-Württemberg viele Produkte der Old Economy - die Werkzeugmaschinen oder die Autos - weltweit durchaus konkurrenzfähig. Hinzu kommen noch schlagkräftige IT-Unternehmen, wie IBM und Hewlett Packard, in deren Umfeld sich viele Start-ups angesiedelt haben.

Nach Ansicht Klees wäre das Land allerdings gut beraten, wenn es die starke Abhängigkeit vom Export dadurch abfederen würde, dass Dienstleistungen wie etwa "Touristik, Freizeit, Gesundheit & Soziales" noch weiter ausbauen würde. Und wie anderen Bundesländer wäre Baden-Württemberg gut beraten, für eine bessere Hochschulausbildung zu sorgen.

Ein Engpass in der Region inmitten Europas ist auch die Infrastruktur: Noch immer gibt es zweispurige Autobahnabschnitte wie zwischen Karlsruhe und Stuttgart, die täglich für Staus sorgen. Ein großer Erfolg für die Region ist dagegen die entgültige Genehmigung für "Stuttgart21", dem Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofes mit der Anbindung an das Europäische Schnellbahnnetz.

Kennzahlen (2000)

Wirtschaftswachstum: 4,2 Prozent.

Arbeitslosenquote: 5,2 Prozent.

BIP je Erwerbstätigen: 105 840 Mark.

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