Wirtschaft : Die Wirtschaft kommt erst im Spätsommer auf Touren

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Berlin (HB/brö). Die Anzeichen für eine Besserung der wirtschaftlichen Lage mehren sich. Darauf deuten Konjunktur-Frühindikatoren vom Montag hin. Eine Reuters-Umfrage unter Einkaufsmanagern deutete auf einen baldigen Anstieg der Produktion hin. Zugleich stieg der Handelsblatt-Frühindikator im Juni um 0,3 Punkte auf 1,7 Prozent, nachdem er im Mai stagniert hatte. Das lässt darauf schließen, dass die Konjunktur im Spätsommer an Fahrt gewinnt.

Die Einkaufsmanager in den Teilnehmerländern der EU-Währungsunion äußerten sich in einer Umfrage optimistisch. Der Einkaufsmanager-Index (siehe Lexikon) im Mai erhöhte sich auf 51,5 Punkte von 50,7 im April. Der Index für Deutschland lag dagegen mit 49,8 nur leicht über dem April-Stand. Jenseits der 50 Punkte erwarten Ökonomen eine Ausweitung der Produktion, unter 50 Indexpunkten eine Einschränkung.

Überraschend stark hat sich im Juni das Konjunkturbarometer für die neuen Länder verbessert. Es kletterte im Juni von null Prozent auf 0,5 Prozent. Im zweiten Quartal kommt die Erholung in Gesamtdeutschland aber noch mühsam voran, zeigt der Frühindikator: Er taxiert das gesamte Wachstum zwischen April und Juni nur auf 0,6 Prozent.

Nach einem trägen ersten Halbjahr dürfte die Wirtschaft zwischen Juli und September dann um 1,5 Prozent wachsen – mehr, als viele Prognostiker derzeit erwarten. Für eine Trendwende am Arbeitsmarkt vor der Wahl reicht der Schub aber nicht aus. „Der Aufschwung kommt nicht nur zu spät, er ist auch zu stark durch die Tarifrunden vorbelastet“, sagt Ulrich van Suntum, Ökonomie-Professor an der Universität Münster.

Die Prognose für die Entwicklung im zweiten und dritten Quartal steht allerdings unter dem Vorbehalt, dass sich die gute Stimmung in den Unternehmen auch in den realen Wirtschaftsdaten niederschlägt. Denn bislang ist das Konjunktur-Bild gespalten: Die Industrie blickt so zuversichtlich in die Zukunft wie seit zwei Jahren nicht mehr, beurteilt ihre aktuelle Geschäftslage aber seit sieben Monaten praktisch unverändert als schlecht. „Die deutsche Konjunktur nimmt weiter Anlauf, kommt aber noch nicht recht vom Fleck“, sagt van Suntum dazu.

Günstig für mehr Wachstum ist die Entwicklung der Ölpreise. Im Schnitt kostete ein Barrell vergangene Woche 23,80 US-Dollar. In der Vorwoche waren es 24,55 Dollar, teilte die Öl-Organisation Opec in Wien mit. Weiteren Aufschluss könnten Daten der nächsten Tage geben. So stehen Arbeitsmarkt-Zahlen aus Deutschland, Europa und den USA an. Außerdem wird die Europäische Zentralbank am Donnerstag über die Höhe der Leitzinsen beraten.

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