Wirtschaft : Die WTO-Einigung ist noch kein Erfolg

Maren Peters

Sechs Tage und Nächte haben sie gerungen und geschachert, haben gebockt und dann wieder nachgegeben. Jetzt klopfen sich Europäer und Amerikaner auf die Schulter, und auch die Entwicklungsländer stoßen auf den gemeinsamen Erfolg an: Die 142 Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation (WTO) werden eine neue Welthandelsrunde starten. Dabei ist die WTO von tatsächlichen Fortschritten weit entfernt: Die eigentliche Bewährungsprobe steht erst noch bevor. Erst wenn es in der Handelsrunde um konkrete Zugeständnisse geht, wird sich zeigen, wie ernst es die Industrieländer mit der Neubewertung der Gewichte im Welthandel meinen. Nach den Ereignissen vom 11. September, die die Welt zum engen Zusammenrücken im Kampf gegen den Terror gezwungen haben, muss es Fortschritte geben. Nur wenn sich die Entwicklungsländer auf der Ebene des Welthandels und der WTO fair behandelt fühlen, kann die Diskussion über die Nachteile der Globalisierung tatsächlich ein Gespräch über die Vorteile des Freihandels werden. Zunächst aber wird es ein hartes Ringen um Europas Landwirtschaftspolitik geben. Die Entwicklungsländer wollen, dass die EU ihre hohen Exportsubventionen abbaut, damit die eigenen Produkte bessere Chancen am Weltmarkt haben. Die EU will das verhindern, weil sie eine Flut von Billigprodukten aus den armen Ländern befürchtet. Dass es eine schnelle Einigung geben wird, ist unwahrscheinlich. In Frankreich und Deutschland stehen bald Wahlen an, die Regierungen verteidigen die Subventionen mit Klauen und Zähnen. Es wird eine schwierige Runde werden, noch gibt es keinen Anlass zum Jubeln. Aber immerhin Anlass zur Hoffnung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben