Wirtschaft : „Die Zahl der Übernahmen wird deutlich steigen“

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Herr Burmann, viele deutsche Traditionsmarken sind von ausländischen Unternehmen gekauft worden. Was haben die Deutschen falsch gemacht?

Die Schwäche der Marken ist meist auf die Schwäche der Unternehmen zurückzuführen. Sie haben ihre Produkte nicht auf den neuesten Stand der Technik gebracht, die Bedürfnisse ihrer Kunden nicht ernst genommen und sich nicht um eine effiziente Produktion gekümmert. Und dann stellen sie plötzlich fest, dass die Konkurenz es besser und billiger kann und sie selbst Verluste schreiben. Sie müssen die Kosten senken, um wieder in den grünen Bereich zu kommen – das schaffen sie allein oft nicht.

Was hat ein chinesischer Käufer von der Übernahme einer in die Jahre gekommenen deutschen Marke?

Viele Käufer aus Billiglohnländern wie China und der Türkei wollen in den deutschen und europäischen Markt, hatten bislang aber keinen Zugang. Diesen Zugang erkaufen Sie durch die Übernahme bekannter deutscher Namen wie AEG, Grundig oder Bauknecht.

Verlieren Traditionsmarken in der Hand von Billiganbietern an Glaubwürdigkeit?

Ganz im Gegenteil, manchmal werden sie sogar aufgewertet. Seit GrundigFernseher in der Türkei produziert werden, ist die Qualität exzellent.

Was ist „Made in Germany“ noch wert?

In Deutschland spielt das keine Rolle mehr, hier interessiert vor allem der Preis. Im Ausland dagegen hat „Made in Germany“ einen sehr guten Ruf.

Erwarten Sie weitere Übernahmen?

O ja. Die Zahl der Mittelständler, aber auch größerer Firmen mit starken Marken, die von ausländischen Konkurrenten gekauft werden, wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen.

Warum?

Unternehmen in sehr reifen Märkten haben Probleme. Bei Kochtöpfen etwa standen deutsche Namen wie Fissler früher für gleichbleibend hohe Qualität. Mittlerweile kann jede No-Name-Firma in China die gleiche Qualität liefern, für weniger Geld – das haben auch die Kunden gelernt. Viele dieser Unternehmen und Marken sind daher potenzielle Übernahmekandidaten. Das Gespräch führte Maren Peters.

Christoph Burmann

ist Professor für

Betriebswirtschaft und Inhaber des Lehrstuhls für innovatives

Markenmanagement

an der Universität

Bremen.

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