Wirtschaft : Die Zahlen der Bahn sind rot, aber gut

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Von Bernd Hops

Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr dicke Verluste von 235 Millionen Euro gemacht. Letztes Jahr waren es im gleichen Zeitraum noch 66 Millionen Euro Gewinn. Droht der Rückfall in die alten Zeiten der Staats- und Schuldenbahn?

Bisher nicht. Denn das Geld legt die Bahn gut an. Vor wenigen Jahren waren Bahnhöfe die Schmuddelkinder in den Städten, jetzt werden sie zu modernen Geschäftszentren wie zunächst in Leipzig und mittlerweile auch in anderen Großstädten wie Köln oder Hamburg. Selbst in kleinen Regionalbahnhöfen. Mit den Bahnhöfen wird jetzt Geschäft gemacht, der Konzern freut sich über steigende Einnahmen aus Mieten. Auch die Züge modernisiert die Bahn – und verzeichnet im Personennahverkehr wachsenden Zuspruch. Einen Wachstumsschub dürfte auch der Erwerb des Logistikers Stinnes bringen und die Bahn im Güterverkehr entscheidend stärken. Doch die Bahn muss aufpassen, dass sie durch das Erreichte nicht selbstzufrieden wird. Vor kurzem stellte sich der Konzern in Niedersachsen bei der Ausschreibung des Landes für einige Nahverkehrsstrecken in den Schmollwinkel und gab wegen angeblicher Benachteiligungen kein Angebot ab. Den Zuschlag werden jetzt private Konkurrenten erhalten. Das wird sich die Bahn nicht oft leisten können, will sie nicht über kurz oder lang empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Der nächste große Test, ob die Bahn ihre Kunden noch versteht, wird die Einführung des neuen Tarifsystems zum Ende des Jahres sein. Hier darf nichts schief gehen. Denn leere Züge verdienen kein Geld.

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