Wirtschaft : Die Zeichen erkennen: Hessen setzt auf Fortbildungen für Lehrer im Kampf gegen Terrorismus

Kathrin Hedtke (ddp)

Das Zauberwort heißt Prävention. Der hessische Verfassungsschutz setzt bei der Bekämpfung des islamistischen Terrorismus jetzt genau dort an. Ab Herbst werden Fortbildungen für Lehrer zum Thema angeboten, außerdem steht eine engere Zusammenarbeit mit Hochschulen und Moscheen auf dem Plan. „Untersuchungen zeigen, dass es ein großes Potenzial für die Radikalisierung junger Menschen gibt“, sagte der neue Präsident des Landesamtes, Roland Desch, in Wiesbaden.

Ziel sei es, diesen Trend durch Prävention zu verhindern. Dabei wird auch über Möglichkeiten nachgedacht, um einen frühzeitigen Ausstieg aus der Szene zu erleichtern.

Nach Angaben des Verfassungsschutzes gibt es in Hessen 5100 Islamisten. Während diese Zahl hier seit einigen Jahren konstant ist, gibt es bundesweit einen stetigen Zuwachs. Das Potential sei auch in Hessen noch nicht ausgeschöpft, sagte Verfassungsschutzchef Densch. Deshalb will er die Anstrengungen seiner Behörde verstärken, um die Radikalisierung junger Menschen zu verhindern: „Wenn es uns nicht gelingt, da einzusteigen, ist die Gefahr groß, dass der 'homegrown terrorism' Nachwuchs erhält.“ Zum Umgang mit dem Rechtsextremismus biete der Verfassungsschutz seit einem Jahr sehr erfolgreiche Lehrerfortbildungen an. Auch für Richter, Staatsanwälte, Bewährungshelfer und Polizisten gebe es spezielle Schulungen. Dieses Angebot werde künftig auf den Bereich des Islamismus ausgeweitet, kündigte der Präsident an. Eine Pilotveranstaltung sei bei Lehrern bereits auf großes Interesse gestoßen. Auch die Justizvollzugsbeamten spielten eine wichtige Rolle, weil viele Extremisten eine kriminelle Vorgeschichte hätten.

Bei den Hochschulen gebe es ebenfalls Schritte in diese Richtung. Der Verfassungsschutz habe Erkenntnisse, dass es unter den Studenten ein Personenpotenzial gebe, das eventuell dem islamistischen Terrorismus zugeneigt sein könnte. Der Verfassungsschutz nehme daher Kontakt zu Hochschulleitungen auf, um sie mit Informationen über extremistische Verhaltensweisen zu versorgen. Die Zusammenarbeit mit den Kommunen soll ebenfalls ausgeweitet werden.

Zentrales Anliegen ist zudem eine stärkere Kooperation mit Moscheevereinen und muslimischen Verbänden in Hessen. „Wir brauchen einen Dialog“, sagte Desch. Wichtig sei dafür gegenseitiges Vertrauen. Deshalb habe der Verfassungsschutz in den vergangenen Jahren mehrere Islamwissenschaftler eingestellt, die sich mit den religiösen Hintergründen und der Kultur auskennen. Es gelte, frühzeitig zu verhindern, dass junge Menschen radikalisiert würden: „Wenn wir an dieser Stufe einen Einstieg verhindern, müssen wir nicht ein halbes Jahr später den Ausstieg begleiten“, sagte Desch.

Daneben will der neue Landesamtsleiter ein Ausstiegsprogramm entwickeln. Es soll das dazu existierende Bundesprogramm ergänzen.

Kathrin Hedtke (ddp)

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