Wirtschaft : Die Zeit der Familien-Dynastien in den USA geht zu Ende

Dem Imperium der Pritzkers droht der Zerfall – die jungen Erben von Hyatt und Royal Caribbean wollen Geld sehen

Scott Kilman[Christina Binkley],William Balkeley

Von Scott Kilman,

Christina Binkley und

William Balkeley

Das Imperium der Familie Pritzker ist das jüngste Beispiel dafür, wie Dynastien durch innerfamiliäre Auseinandersetzungen zerstört werden. Das ist kein Zufall. „Der Trend geht hin zu Unabhängigkeit", sagt C. Daniel Clemente, ein Berater aus Vienna, Virginia. Clemente hat sich auf die Vermittlung bei Streitigkeiten innerhalb von Familien-Imperien spezialisiert.

Die Familienmitglieder hätten in der Vergangenheit die Herrschaft eines Verwandten über die Quelle ihres Wohlstandes geduldet, sagt Clemente. Aber nicht zuletzt weil die Familienmitglieder jahrelang beobachten konnten, wie die Aktionäre von an der Börse gehandelten Unternehmen zunehmend ihre Rechte geltend machten, würden auch die privaten Aktionäre zunehmend selbstbewusster und aktiver.

Hinzu kommt das zunehmende Alter der Unternehmensimperien wie das der Pritzkers, dessen Wert auf fast 15 Milliarden Euro geschätzt wird. Seine Ursprünge reichen mehr als ein Jahrhundert zurück. Im Laufe der Zeit wurde das Eigentum – wie bei vielen anderen Unternehmen auch – unter immer mehr Verwandten aufgeteilt, und einigen geht es nun weniger um den Erhalt als vielmehr um die Rendite des Kapitals. Dieser Trend scheint sich durch die schwache US-Wirtschaft noch zu beschleunigen: Sinkende Dividenden bedrohen den Lebensstil und erhöhen den Argwohn gegenüber dem Management.

Der Ärger unter den Pritzkers nahm mit dem Tod des Patriarchen Jay Pritzker 1999 zu. Zum einen verlangen die jüngeren Familienmitglieder zunehmend die Kontrolle über ihr Vermögen, zum anderen mussten die Unternehmen des Pritzker-Imperiums in den vergangenen Jahren einige harte Schläge hinnehmen: Die Pleite einer Bank, die der Familie zur Hälfte gehörte, und Gewinneinbrüche bei der Marmon Group, der größten Unternehmensgruppe der Pritzkers. Ein weiterer Rückschlag: Im August musste die Familie den Verkauf ihres Mehrheitsanteils an dem Arzneimittelhersteller Reliant Pharmaceuticals, der ursprünglich einen Marktwert von 904 Millionen Dollar hatte, abblasen.

Um den Streit beizulegen, haben einige Familienmitglieder vorgeschlagen, das Imperium zu zerschlagen. Dies könnte bedeuten, dass der Hyatt-Konzern, zu dem neben der bekannten Hotelkette auch diverse Spielkasinos gehören, zumindest mit einem Teil der Hotels an die Börse geht. Zu der Kette gehören 207 Hotels, von denen allerdings nur etwa ein Drittel dem Pritzker-Clans gehört. Die übrigen Hyatt-Hotels werden für dritte Eigentümer verwaltet oder werden auf Franchise-Basis betrieben.

Die Unternehmen der Pritzker-Familie sind in den verschiedensten Bereichen tätig. Da ist zum Beispiel die Conwood Corp. mit Sitz in Memphis, Tennessee. Sie stellt Schnupftabak, Kautabak und andere „rauchlose“ Tabakprodukte her und besitzt außerdem eine Forderung in Höhe von 1,05 Milliarden Dollar aus einem gewonnenen Prozess gegen den Industrieführer UST. Ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem die Pritzker-Familie den größten Teil und einen kleineren Teil die Familie Ofer aus Israel hält, besitzt 25 Prozent der Anteile an Royal Caribbean Cruises. Der Wert dieser Anteile wird derzeit auf etwa 900 Millionen Dollar geschätzt. Pritzker besitzt aber beispielsweise auch rund 14000 Apartments in den unterschiedlichsten Regionen, Parkplätze an den großen Flughäfen und ein mehr als 437 Hektar großes früheres Trainingsgelände der US-Marine in Orlando, Florida. Auf diesem Gelände sollen jetzt Wohnungen, Büroräume und Geschäfte errichtet werden.

Die Texte wurden übersetzt und gekürzt von Tina Specht (EU), Christian Frobenius (Redefreiheit), Matthias Petermann (United), Karen Wientgen (Herr d. Ringe) und Svenja Weidenfeld (Pritzker).

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