Wirtschaft : Die Zeit der flotten Sprüche ist vorbei

HENRIK MORTSIEFER

Gratuliere, Telekom! 21 Mrd. DM Cash, eine deutlich überzeichnete Emission und ein passabler Ausgabepreis für die neue T-Aktie - auch der zweite Börsengang scheint Ron Sommer gelungen zu sein. Wie schon bei der Premiere im November 1996 fanden die Telekom-Papiere reißenden Absatz. Die Phantasie der Anleger weiß der Ex-Monopolist offenkundig immer noch zu wecken. Die T-Aktie ist endgültig die Volksaktie der Deutschen geworden.Doch nach dem 300 Mill. DM teuren Werberummel, der die Vorstellungskraft der Börsianer künstlich erweitert hat, sollten alle nun wieder auf den Boden der Realität zurückfinden. Die Telekom ist nämlich ihren alten und neuen Anteilseignern eine Auskunft schuldig geblieben: Wann und wozu will sie die nun mit 35 Mrd. DM prall gefüllte Kriegskasse wieder leeren? Informationen darüber, wie das Unternehmen seine - bislang verspielten - Chancen im globalen Wettlauf der Telekommunikations-Giganten nutzen will, hat die Road-Show für den Börsengang nicht geliefert. Wie auch? Sommer verspricht nur, "jederzeit schnell und entschlossen" zu handeln. Doch Taten ließ er bislang nicht folgen. Nach dem gescheiteten Deal mit Telecom Italia ist zuletzt auch die Übernahme des britischen Mobilfunkanbiertes One-2-One geplatzt. Gerne hätten wir gewußt, wann die Telekom die sich ihr bietenden Gelegenheiten auch ergreift.Bei den meisten sonst eilfertig zu Prognosen bereiten Analysten war in den Wochen der Zeichnungsfrist kein sachkundiges Urteil zu bekommen. Im Banken-Konsortium zum Schweigen verdammt, sollten die Experten jetzt das Wort nehmen. Die Zeit der flotten Werbesprüche ist vorbei.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben