Wirtschaft : Die Zigarettenindustrie bittet zur Kasse

Hersteller nutzen die nächste Steuererhöhung zu Preisaufschlägen – trotz scharfer Konkurrenz der Billigmarken

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Berlin (asi/den). Reemtsma, British American Tobacco (BAT) und Philipp Morris werden die nächste Stufe der Zigarettensteuer voll auf die Kunden abwälzen. Eine Automatenpackung wird dann fast vier Euro kosten, derzeit beträgt der Preis 3,60 Euro. Die Industrie will die Erhöhung auch nutzen, um Preiserhöhungen durchzusetzen. Dabei haben die Markenhersteller durch die steigenden Zigarettenpreise bereits Anteile an Billigmarken verloren.

Das Bundesfinanzministerium wies am Dienstag die volle Verantwortung für die Preiserhöhung zurück. Die Preisgestaltung der Industrie sei „eine Angelegenheit des Marktes“, sagte ein Sprecher des Ministeriums dem Tagesspiegel. Der Anteil der Erhöhung der Preise wegen der Tabaksteueranhebung sei schließlich bekannt. Im Dezember müssen Raucher mit Erhöhungen von bis zu 30 Cent pro Schachtel rechnen, 27 Cent davon gehen auf das Konto von Tabak und Mehrwertsteuer. „Ein solcher Schritt ist völlig plausibel“, verteidigte Ernst Brückner, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Cigarettenindustrie (VdC), entsprechende Pläne der Hersteller. Die Industrie sei gezwungen, die erneute Erhöhung der Tabaksteuer an die Konsumenten weiterzugeben.

Zum 1. Dezember 2004 wird jede Zigarette mit zusätzlichen 1,2 Cent besteuert. Das ist die zweite Erhöhung der Tabaksteuer in diesem Jahr. Schon zum 1. März war die Steuer pro Zigarette um 1,2 Cent gestiegen. Daraufhin wurden die Preise im Schnitt um 40 Cent pro Packung angehoben.

Die Tabakindustrie will sich noch nicht auf Preiserhöhungen von 30 Cent im Dezember festlegen. Aufschläge schließt aber keiner der großen Hersteller aus. „Da muss man kein Prophet sein“, sagt Rainer Stubenvoll von BAT. Und Lars Großkurth von Reemtsma pflichtet bei: „Ein Anstieg ist nicht völlig auszuschließen. Wie der genau ausfällt, ist noch nicht klar.“ Beide Unternehmen zählen mit Marktanteilen von etwa 20 Prozent zu den führenden Herstellern, und beide haben im vergangenen Jahr deutliche Einbußen verbucht. Bei Reemtsma („West“, „Cabinet“) betrug der Absatzrückgang 6,3 Prozent. Bei BAT („Lucky Strike“, „Gauloises“) spricht man von „dramatischen Einbußen“ und rechnet mit bis zu 15 Prozent weniger Absatz in der Branche für 2004. Insgesamt setzten die Hersteller im ersten Quartal dieses Jahres nach Angaben des Verbandes sechs Prozent weniger Zigaretten in Deutschland ab.

Aus Sicht der Branche ist der Grund für den Einbruch klar: „Dafür ist hauptsächlich das ständige Drehen an der Tabaksteuer verantwortlich“, heißt es bei Philip Morris. BAT-Sprecher Stubenrein sagt: „Vor allem der Absatz von Fabrikzigaretten leidet unter den Steuererhöhungen.“ Denn zurückgegangen ist der Konsum nicht (siehe Kasten): Die Raucher steigen nur zunehmend auf Zigaretten aus dem Supermarkt um – diese sind bis zu 40 Cent billiger als die Markenprodukte. Seit 1997 ist der Anteil der Handelsmarken am Gesamtmarkt von 5,5 Prozent auf 16,1 Prozent gestiegen. „Dieser Trend wird sich fortsetzen“, sagt BAT-Sprecher Stubenrein.

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