Wirtschaft : Die Zustimmung der Arbeitgeber steht allerdings noch aus

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Nach mehrtägigen Prüfungen haben auch die Wirtschaftsprüfer am Freitag endlich zugestimmt: Der Sanierungstarifvertrag für den angeschlagenen Baukonzern Philipp Holzmann steht. Mit fünf Stunden unbezahlter Mehrarbeit pro Woche für 18 Monate steuern die Beschäftigten etwa 160 bis 180 Millionen Mark zur Sanierung des Bauunternehmens bei. Formal allerdings ist die jetzt gefundene Regelung erst ein Vorschlag, der von den Gremien der Tarifparteien noch genehmigt werden muss. Während dies auf Arbeitnehmerseite kein Problem sein dürfte, ist die Position der Arbeitgeberseite nicht klar. Holzmann-Vorstand und IG Bau, die den Vorschlag ausgehandelt haben, haben die Bauarbeitgeber am Freitag "gebeten", dem Tarifvertrag bis spätestens 15. Februar zuzustimmen. Sollten sie ihr Plazet verweigern, müsste neu verhandelt werden.

IG Bau und Holzmann werteten es gestern als Erfolg, dass nun eine "tarifrechtlich und wettbewerbspolitisch einwandfreie Vereinbarung" gefunden worden sei. Holzmann erhalte Rechtssicherheit. Am Montag soll die betriebliche Tarifkommission von Holzmann den Sanierungstarifvertrag genehmigen und eine entsprechende Empfehlung an den Bundesvorstand der IG Bau geben, der Vereinbarung endgültig zuzustimmen. Wie die Bauarbeitgeber reagieren ist noch offen. Nach dem Widerspruch, den es in den vergangenen Wochen von beiden Arbeitgeberverbänden gab, sind Zweifel an ihrer Zustimmung angebracht. Im Detail werden die etwa 8500 im Holzmann-Konzern verbleibenden Beschäftigten vom 1. Februar 2000 bis 31. Juli 2001 jede Woche fünf Stunden unbezahlte Mehrarbeit leisten. Damit steigt ihre wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 44 Stunden. Die Mehrarbeit wird auf individuellen Arbeitszeitkonten gutgeschrieben. Der dadurch erbrachte Sanierungsbeitrag der Arbeitnehmer liegt allerdings nur bei 160 bis 180 Millionen Mark ursprünglich waren 225 Millionen Mark vereinbart. Dies gilt aber als ausreichend, weil Holzmann im Konzern nicht nur 2400, sondern 2700 Stellen abbaut und damit mehr einspart als bislang kalkuliert.

Die Holzmann-Manager bringen im übrigen 20 Millionen Mark selbst zur Sanierung auf. Von Mitte 2002 an soll die zusätzliche Arbeitszeit grundsätzlich in Freizeit wieder abgegolten werden, sofern Holzmann dann wieder Gewinne macht. Entscheidend für Holzmann ist, dass mögliche Kosten der Regelung nicht in den laufenden Bilanzen auftauchen.

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