• Die zwei US-Telefonfirmen im teuersten Zusammenschluß der Wirtschaftsgeschichte - die Deutsche Telekom bekommt aus ihrem geringen Anteil 21 Milliarden Mark

Wirtschaft : Die zwei US-Telefonfirmen im teuersten Zusammenschluß der Wirtschaftsgeschichte - die Deutsche Telekom bekommt aus ihrem geringen Anteil 21 Milliarden Mark

pf/su/dri

Die größte Fusion der Geschichte ist perfekt. Zwei US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen schließen sich zusammen: MCI WorldCom und Sprint. Der Zusammenschluss hat ein Volumen von 236 Milliarden Mark - fast 100 Milliarden mehr als die Fusion der Ölriesen Exxon und Mobil, die bislang den Rekord hielt. Die Deutsche Telekom, noch Eigner von zehn Prozent der Sprint-Anteile, trennt sich von diesen Aktien, die in ihrem Besitz 18 Milliarden Mark an Wert gewannen.

Wenn MCI WorldCom und Sprint verschmelzen, kommt die größte Fusion der Wirtschaftsgeschichte zustande. Dabei fließt nicht tatsächlich Geld. MCI WorldCom bezahlt mit seinen Aktien. Für eine Sprint-Aktie bietet MCI Worldcom den Gegenwert von 76 Dollar in eigenen Aktien.

Die neue Gesellschaft soll vom bisherigen MCI-Chef Bernard Ebbers geleitet werden; Sprint-Chef William Esrey übernimmt die Spitze des Verwaltungsrates.

Die Deutsche Telekom, die sich ebenfalls für eine Sprint-Übernahme interessiert hatte, gab kein Kaufangebot ab. "Unter diesen Bedingungen ist Sprint viel zu teuer", sagte Telekom-Sprecher Jürgen Kindervater. "Ein Gebot in dieser Größenordnung käme einer Vernichtung von Aktionärsvermögen gleich." Laut Kindervater macht die Telekom durch die teuerste Fusion der Welt jedoch richtig Gewinn. Durch den Aufschlag auf den Sprint-Kurs sei der Zehn-Prozent-Anteil der Telekom jetzt 21 Milliarden Mark wert. Bezahlt hatte die Telekom 1996 bei ihrem Einstieg nur drei Milliarden Mark. Er sagte, dass die Telekom im Zuge der Fusion ihre Sprint-Anteile verkaufen werde. Auch France Télécom kündigte an, sich von ihren zehn Prozent zu trennen.

Mit dem Sprint-Deal ist WorldCom-MCI-Boss Bernie Ebbers eine bemerkenswerte Leistung gelungen. Der 58 Jahre alte frühere Basketball-Trainer und Motel-Betreiber hat praktisch aus dem Nichts eine der größten Telefongesellschaften in den USA zusammengebastelt. Vor zwei Jahren hatte der gebürtige Kanadier der British Telecom die Kontrolle über MCI entrissen.

In einer Übernahmeschlacht um Sprint hat sich MCI WorldCom gegen BellSouth durchgesetzt. Mit dem Zusammenschluss steigt MCI WorldCom-Sprint zum zweitgrößten Anbieter der USA im Bereich der Fernverbindungen auf. Sie wird am Fernsprechmarkt, der ein Volumen von 80 Milliarden Dollar hat, zu 30 Prozent beteiligt sein - allerdings deutlich hinter Branchenführer AT & T, der 48 Prozent hält. Zusammen werden es die beiden Unternehmen auf 30 Millionen Fernsprechkunden bringen.

Der Börsenwert der kombinierten Unternehmen würde mehr als 200 Milliarden Dollar betragen. MCI WorldCom will auch Sprints 14 Milliarden Dollar Schulden übernehmen. Im Verlauf der eine Woche dauernden Geheimgespräche hatte man Sprint den Code-Namen "Schnee" und MCI WorldCom den Namen "Wittchen" gegeben.

"Die bessere Kombination ist zweifellos MCI WorldCom und Sprint", sagte Ophelia Barsketis von der Fondsgesellschaft Stein & Roe Farnham. "Es lässt sich aus behördlicher Sicht leichter abwickeln", sagte sie mit Blick auf mögliche Wettbewerbskonflikte. BellSouth hätte größere Schwierigkeiten gehabt, die Kartellwächter davon zu überzeugen, dass eine Übernahme durch Bell den Wettbewerb nicht behindern würde, sagten Analysten. Der Zusammenschluss muss von den Aktionären beider Unternehmen, von der Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC), vom US-Justizministerium und von Kartellbehörden im Ausland genehmigt werden.

Die geplante Übernahme des US-Telefonkonzerns Sprint durch den Konkurrenten MCI WorldCom wird bei der Sprint-Tochter Global One Verhandlungen über eine neue Aktionärsstruktur nach sich ziehen. Die wegen der Fusionsverhandlungen vorübergehend ausgesetzten Diskussion würden nun zu Ende geführt werden, kündigte die France Télécom als Miteigentümerin bei Global One an. France Télécom teilt sich die Anteile mit der Deutschen Telekom sowie mit Sprint. Die Neuaufteilung wird notwendig, da Global One in Konkurrenz zu MCI WorldCom steht.

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