Wirtschaft : Diebstahl kostet die Bahn Millionen

Kabelklau, Kreditkarten, Kartelle: Der Staatskonzern kämpft gegen Kriminelle

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Zu teuer. Die Bahn zahlte wegen Preisabsprachen jahrelang zu viel für Gleise. Foto: ddp
Zu teuer. Die Bahn zahlte wegen Preisabsprachen jahrelang zu viel für Gleise. Foto: ddpFoto: ddp

Berlin - Die Deutsche Bahn rechnet in diesem Jahr mit einer Zunahme des Kabelklaus um fast ein Drittel im Vergleich zu 2010. Bislang liege das Plus bis Ende September sogar bei 32 Prozent, sagte Gerd Neubeck, Sicherheitschef des Unternehmens, am Dienstag in Berlin. Am stärksten betroffen von den Diebstählen ist Ostdeutschland – Sachsen-Anhalt und Sachsen verzeichnen die höchsten Fallzahlen und das größte Plus. Brandenburg liegt bei den Delikten auf Rang vier, Berlin auf Rang sechs, allerdings mit einem leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.

Der Schaden für die Bahn beläuft sich allein beim Material auf zehn bis zwölf Millionen Euro. Hinzu kommen Kosten für die Reparatur und für Zugverspätungen – insgesamt bis zu 120 Millionen Euro. Beim Kunden entstehe zudem ein „kaum zu beeinflussender Imageschaden“, wenn Züge infolge des Metalldiebstahls liegen blieben.

Seit dem Anstieg der Rohstoffpreise macht der Bahn der Verlust von Fahrdrähten oder Signalkabeln zu schaffen. Wirkungsvoll schützen lassen sich die fast 34 000 Kilometer Infrastruktur nicht, teilweise liege das Metall „abholbereit“ herum, sagte Neubeck. Seit dem Sommer arbeite man aber enger mit Schrotthändlern zusammen, daher sei auch ein Rückgang bei den Delikten zu verzeichnen. 500 Täter habe man bereits entdeckt. Neue Kabel werden nun mit kaum sichtbaren Markierungen versehen, die das Material als Bahn-Eigentum ausweisen. Die Entwicklung der Metalldiebstähle hängt stark von den aktuellen Weltmarktpreisen für Kupfer oder Stahl ab.

Zu schaffen machen dem Konzern offenbar auch der Diebstahl von EC- und Kreditkartendaten. In jüngster Zeit hätten Kriminelle versucht, diese an Automaten zu stehlen und damit Konten leerzuräumen. Dazu manipulieren sie die Maschinen, um Nummern und Geheimzahlen auszulesen. „Für die Kunden ist das schwer zu erkennen“, räumte Erik Liegle ein, der Bahn-Ermittlungschef. Binnen weniger Stunden werde dann vom Ausland aus das Geld abgehoben. Auch Bahncards würden gefälscht oder Tickets im Internet angeboten, die mittels gestohlener Kreditkarten gekauft seien. Wie groß der Schaden sei, wollte die Bahn nicht sagen. Täglich gebe es aber Dutzende von Kunden, die Abbuchungen von ihrem Kartenkonto infrage stellten. „Nahezu 100 Prozent der Fahrgäste haben aber eine ordnungsgemäße Fahrkarte“, sagte Liegle.

Geschädigt wird die Bahn oft durch Kartellabsprachen – bei Lieferanten von Kaffee, Rolltreppen oder wie zuletzt Schienen. Die Staatsanwaltschaft Bochum deckte jahrelange Preisabsprachen bei Gleislieferanten auf. Gegen 30 Firmen und 100 Beschäftigte ermittelt sie nun. Ob auch Bahn-Beschäftigte von Absprachen gewusst haben, werde geprüft, teilte der Konzern mit. Carsten Brönstrup

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