Wirtschaft : Dienstleistungen sollen stärker gefördert werden Fraunhofer-Präsident Bullinger

fordert mehr Mittel vom Bund

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Berlin (msh). Der Präsident der FraunhoferGesellschaft, Hans-Jörg Bullinger, fordert von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn mehr Fördermittel für die Entwicklung neuer Dienstleistungen. „Der Großteil der Forschungsförderung fließt in produktionsnahe Projekte, obwohl Dienstleistungen inzwischen den überwiegenden Teil der Wirtschaftsleistung ausmachen“, sagte Bullinger dem Tagesspiegel. Gleichzeitig forderte der Wissenschaftler die Unternehmen auf, stärker in die Entwicklung neuer und besserer Dienstleistungen zu investieren. „Viele Firmen haben sich zu lange auf ihre technische Kompetenz verlassen und damit Marktchancen verpasst“, sagte Bullinger. „Das Geld wird heute mit Services rund um das Produkt verdient.“

Im internationalen Vergleich habe Deutschland im Dienstleistungssektor noch erheblichen Nachholbedarf. Während in den USA 76 Prozent der Beschäftigten in diesem Bereich arbeiten, sind es in Deutschland nur 66 Prozent. Besonders hochwertige Informations-, Kommunikations- oder Wissensdienstleistungen hätten daher noch ein hohes Potenzial für Wachstum und Beschäftigung. Besonders gute Chancen haben deutsche Unternehmen nach Ansicht Bullingers in Branchen, in denen sie auch traditionell stark sind. Dazu zählten Maschinenbau, Chemieindustrie oder Automobilbau. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) müssen die Industrieunternehmen ihr Angebot um produktbegleitende Services erweitern, um neue Märkte zu erschließen. Die Entwicklung gehe „vom Produkt zur Problemlösung“, heißt es in der Untersuchung. So bieten im Maschinenbau derzeit knapp 20 Prozent der Unternehmen so genannte Betreibermodelle an. Dabei stellen die Hersteller ihre Produktionsanlagen bereit, die sie selbst betreiben und für deren Leistung sie bezahlt werden. Allerdings ginge die Initiative für solche Lösungen häufig von den Kunden aus und nicht von den Maschinenbauern selbst.

Um die Entwicklung innovativer Dienstleistungen auch wissenschaftlich besser fördern zu können, forderte Bullinger mehr finanzielle Mittel von der Bundesregierung. Zwar engagiere sich das Forschungsministerium bereits in diesem Bereich. Die Mittel von 20 Millionen Euro pro Jahr reichten aber bei weitem nicht aus. Großen Bedarf für grundlegende Forschungen auf diesem Gebiet sieht Bullinger bei der Frage, wie Dienstleistungen standardisiert werden können oder wie die Produktivität von Services gemessen werden kann. Hier stehe die Wissenschaft noch am Anfang. Auf einer am Mittwoch und Donnerstag in Berlin stattfindenden Dienstleistungstagung des Forschungsministeriums wollen Wissenschaftler und Branchenexperten förderungswürdige Projekte vorstellen.

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