Wirtschaft : Dienstleistungsgewerkschaft: Streit in ÖTV-Spitze um Zustimmung zu Verdi-Gründung

Der Vorsitzende des größten ÖTV-Bezirks Nordrhein-Westfalen II, Hartmut Limbeck, bezweifelt, dass die geplante Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im kommenden März zusammen mit der ÖTV gegründet werden kann. Er gehe nicht davon aus, dass auf dem ÖTV-Gewerkschaftstag ab Sonnabend in Leipzig mehr als 60 Prozent der Delegierten für Verdi stimmen werden, sagte Limbeck der Tageszeitung "Stuttgarter Nachrichten" vom Dienstag. Die ÖTV braucht eine Zustimmungsquote von 80 Prozent zur Fusion mit vier weiteren Gewerkschaften zu Verdi. Limbeck bezeichnete die Zuversicht des ÖTV-Vorsitzenden Herbert Mai zum Zustandekommen der Supergewerkschaft als "Zweckoptimismus". Es sei nicht zu akzeptieren, dass die ÖTV durch die Fusion 40 bis 50 Prozent ihrer Kreisverwaltungen verlieren werde. In der ÖTV wird nun befürchtet, dass Mai auf dem Gewerkschaftstag ein Ergebnis von unter zwei Dritteln Zustimmung für Verdi als Rücktrittsforderung verstehen könnte. Gerüchten zufolge plant die ÖTV-Spitze für diesen Fall eine Unterbrechung des Gewerkschaftstages, um personelle Alternativen anbieten zu können.

Zwischen der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) und den anderen Gründungsgewerkschaften ist die Zahl der Verdi-Bezirke weiter höchst umstritten. Nach den jetzigen Plänen würden rund 100 der 162 ÖTV-Geschäftsführer ihre Posten verlieren, weil Verdi nur noch über 110 Bezirke verfügen und der ÖTV die Hälfte der Chefsessel zugeteilt wird. Die andere Hälfte wird aufgeteilt unter den vier weiteren Verdi-Gewerkschaften Handel, Banken und Versicherungen (HBV), Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG), IG Medien und der Deutschen Postgewerkschaft. Verdi, deren Zentrale nach Berlin ziehen soll, wäre nach der Verschmelzung mit drei Millionen Mitgliedern die größte Einzelgewerkschaft der Welt.

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