Wirtschaft : Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bereitet Streik vor

tia

Die vor einem Jahr aus fünf Einzelgewerkschaften zusammengeschlossene Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bereitet sich auf ihren ersten Arbeitskampf vor. Sie will dabei jeder Branche die sie vertritt, die Unterstützung der Gesamtgewerkschaft zukommen lassen.

Gewerkschaftschef Frank Bsirske sagte am Freitag in Berlin: "Wir müssen davon ausgehen, dass die Verhandlungen im Einzelhandel gescheitert sind." Verdi verhandelt dort in 16 Einzelbezirken für insgesamt 2,5 Millionen Beschäftigte. Dabei sieht Bsirske die Abschlüsse in der Chemie- und Metallbranche als "wichtige Wegmarken". Die "Politik der Umverteilung der Gewinne" werde so nicht weiter fortgesetzt. Er kündigte Urabstimmungen über Arbeitskampfmaßnahmen bei 80 Betrieben in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz an. Die Große Tarifkommission für Nordrhein-Westfalen rief den Verdi-Bundesvorstand einstimmig auf, die Verhandlungen auch formal für gescheitert zu erklären, und beantragte die Einleitung der Urabstimmung.

"Die Gespräche waren bisher nicht abschlussorientiert. Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit", sagte Bsirske. "Generell ist die Stimmung aufgeladen und die Aktionsbereitschaft entsprechend." Er stellte "hochflexible Streikformen, die regional abgestimmt sind" in Aussicht. Davon könnten komplette Straßenzüge einer Stadt betroffen sein sowie Schwerpunktbetriebe. Auch sei es möglich, Maßnahmen im Einzel- mit denen des Außenhandels zu verzahnen.

Die Arbeitgeber haben bisher bei einer Laufzeit von 24 Monaten für das erste Jahr Lohnerhöhungen um 1,7 Prozent angeboten und für das zweite einen Inflationsausgleich. Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane bezeichnete dieses Angebot als "jenseits von gut und böse und sehr nachbesserungsbedürftig". Die Gewerkschaft fordert Lohnerhöhungen im Volumen von 6,5 Prozent, wobei vor allem die unteren Lohn- und Einkommensgruppen deutlich angehoben werden sollen. Gerade im Einzelhandel hätten Niedriglöhne eine lange Tradition. Aus Sicht von Mönig-Raane ist "die schwierige Situation im Einzelhandel selbstverschuldet. Wir sind nicht die Ausputzer für den unverantwortlichen Preiskampf".

Für den Brandenburger Großhandel drohte Verdi ebenfalls mit Streik, falls die Arbeitgeber beim nächsten Tarifgespräch kein Angebot unterbreiten. Bei dem Treffen am 13. Juni wird ein Angebot erwartet, dass die Basis für einen Abschluss sein kann, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft vom Freitag in Potsdam. Verdi fordert für die 14 000 Beschäftigten des Brandenburger Großhandels eine Angleichung der Tarife an das Berliner Niveau sowie eine anschließende Erhöhung um 111 Euro, mindestens aber 6,5 Prozent. Beim ersten Treffen am Freitag seien die Positionen zur wirtschaftlichen Lage ausgetauscht worden, die Arbeitgeber legten aber kein Angebot vor.

Unterdessen wurden die Tarifverhandlungen für die rund 240 000 Post-Beschäftigten am Freitagmorgen in Mannheim fortgesetzt. Verdi erwartet nach Angaben einer Sprecherin ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeber. Die erste Verhandlungsrunde war am 25. April in Köln ergebnislos zu Ende gegangen. Verdi fordert 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Deutsche Post AG hat laut Gewerkschaft bislang kein Angebot vorgelegt. Auch in der Druckindustrie sei das Arbeitgeberangebot von zweidreiviertel Prozent "noch ein ganzes Stück von der Abschlussfähigkeit entfernt", teilte Verdi mit.

Im Tarifkonflikt des deutschen Bauhauptgewerbes gehen die Schlichtungsverhandlungen am kommenden Dienstag (21. Mai) in München in die zweite Runde. Das bestätigte eine Sprecherin des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie am Freitag in Berlin. Die Tarifgespräche für die bundesweit 950 000 Beschäftigten des Baugewerbes waren Anfang Mai gescheitert, nachdem die Arbeitgeber in fünf Verhandlungsrunden kein Angebot vorgelegt hatten. Die IG Bau fordert 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Letzter Termin für eine friedliche Einigung ist der 29. Mai um Mitternacht. Schlichter ist der CDU-Politiker Heiner Geißler.

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