Wirtschaft : Dienstleistungsstadt mit Bahnanschluß

BERLIN (tsp).Ist die Crashgefahr auf dem Berliner Immobilienmarkt knapp ein Jahr vor dem Regierungsumzug gebannt? Angesichts von 15,9 Mill.Quadratmetern Bürofläche in der Stadt, weitaus mehr als etwa in Hamburg, München oder Frankfurt (Main), die jeweils die 12-Mill.-Grenze nicht überschreiten, einem weiteren Zuwachs von voraussichtlich 600 000 Quadratmetern Bürofläche in diesem Jahr und einer anhaltend hohen Leerstandsrate von 9,7 Prozent fällt es schwer, optimistisch zu sein.Jörg Schaible, Geschäftsführer der Dr.Lübke Immobilien, der Immobilientochter der Dresdner Bank, ist zuversichtlich."Land ist in Sicht", sagte er am Dienstag bei der Vorlage der jüngsten Marktanalyse seines Instituts.

Schaible begründete seine Zuversicht mit dem bevorstehenden Regierungsumzug, dem erwarteten Zustrom in- und ausländischer Unternehmen, vor allem aber mit dem Strukturwandel an der Spree: Der Anteil der Bürobeschäftigten liege in Berlin mit 34 Prozent noch deutlich hinter dem Niveau anderer Städte wie etwa Frankfurt (Main) mit über 50 Prozent, auch die je Büroarbeitsplatz benötigte Fläche sei kleiner als in anderen Städten.Auf dem Weg zur "Dienstleistungsmetropole mit Gleisanschluß" habe Berlin also noch deutlich Nachholbedarf.

Die Realität sieht vorerst anders aus.Die potentiellen Zuzügler aus dem In- und Ausland verhielten sich weiterhin abwartend, räumte Schaible ein.Fast 80 Prozent des Vermietungsvolumens von derzeit rund 410 000 Quadratmetern pro Jahr entfallen auf "Umzügler" innerhalb der Stadt.Zunehmend aber gebe es großflächige Anmietungen in guten Lagen, mit dem Schwerpunkt in der City Ost.Angesichts der anhaltenden Nachfragen von außerhalb erwartet Schaible, "daß der Knoten im Jahr 2000 platzen wird".Und unter den Zuzüglern werde mittelfristig auch die eine oder andere Konzernzentrale sein, ist der Marktbeobachter überzeugt.

Allerdings hält der Bauboom noch an.Den Angaben der Makler zufolge sind derzeit rund 2,2 Mill.Quadratmeter im Bau, für weitere 1,5 Mill.gebe es Bauanträge bzw.-vorbescheide.Hinzu kommt der nicht unbeträchtliche Immobilienbesitz von Bahn, Post, Telekom - und nicht zuletzt des Landes Berlin -, dessen Verwertung noch gar nicht richtig ins Rollen gekommen ist.In der Studie beklagen die Marktexperten denn auch das "anhaltende Informationsdefizit".

Für Mieter sind das noch gute Nachrichten.Nach dem Preisrutsch der letzten Jahre haben sich die Preise für Büroimmobilien in guten Lagen nach Angaben der Makler auf ein Durchschnittsniveau von 45 DM eingependelt, und auch das ist "Verhandlungssache".Die Stadt werde noch eine Weile Mietermarkt bleiben, sagte Schaible.

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