Wirtschaft : „Diese Einigung ist ein Riesenschritt“ Friseure erkämpfen gesetzlichen Mindestlohn

Würzburg - Karen Leicht wusste schon als Kind, dass sie Friseurin werden möchte. Und obwohl ihr als Teenager bewusst wurde, dass sie damit nicht viel Geld verdienen wird, blieb es bei ihrem Wunsch. Heute ist sie im dritten Lehrjahr. „Es stimmt schon. Am Ende des Monats bleibt nicht viel Geld übrig. Aber ich habe die Entscheidung nicht bereut“, sagt die 19-Jährige mit den blonden Haaren. Sie bekommt ein Ausbildungsgehalt von etwa 420 Euro netto. Am Montag hat sich die Branche in Würzburg überraschend schnell auf einen bundesweit einheitlichen Mindestlohn geeinigt. Damit soll es ab Sommer 2015 einen Stundenlohn von mindestens 8,50 Euro geben. Der Lohn soll in drei Stufen bis 2015 ansteigen.

Während diese Untergrenze für die Friseure im Westen in vielen Fällen nur eine minimale Erhöhung des bisherigen Gehalts bedeutet, ist es für ihre Kollegen im Osten ein Riesensprung. Verdi-Verhandlungsführerin Ute Kittel erklärt, dass dort derzeit noch immer Ecklöhne von unter vier Euro gezahlt würden. Die Verhandlungspartner hätten damit die Aufgabe, dort die Gehälter um bis zu 150 Prozent anzuheben. „Insofern ist diese Einigung ein Riesenschritt“, so Kittel über die Verhandlungen. Dass sie so schnell zum Erfolg führen würden – schon in der ersten Verhandlungsrunde – kam am Montag überraschend. Nun sind die Innungsbetriebe in der Pflicht. Bundesweit gibt es dem Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks zufolge fast 261 000 Friseure.

Auch Karen Leichts Chefin unterstützt den bundesweit einheitlichen Mindestlohn. Der dürfte ihrer Meinung nach auch höher sein, doch die Praxis erschwerte bislang diese Idee. „Ich würde meinen Friseurinnen gern mehr Lohn zahlen. Aber das muss zuerst in die Köpfe der Kunden. Da gibt es noch einen ganz großen Aufklärungsbedarf“, sagt Birgit Hartbauer. „Für kleine Autoreparaturen zahlen viele Hunderte Euro, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber für eine Stunde Handarbeit und persönliche Dienstleistung am Kunden sind ihnen 50 Euro zu teuer“, sagt Hartbauer. Reich werde man in dem Beruf nicht.

Der Konkurrenzkampf ist hart, denn der Kunde hat die Wahl. Er kann sich auch für einen Billigfriseur entscheiden. „Die Fluchtmöglichkeiten für die Kunden sind recht groß. Aber ein Haarschnitt für zehn oder weniger Euro – das kann ja gar nicht funktionieren“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes, Rainer Röhr. Er geht davon aus, dass der Mindestlohn dazu führen wird, dass gutes Personal auch entsprechend bezahlt wird. Die 19-jährige Karen Leicht will irgendwann noch ihren Meister machen. „Auch wegen des Geldes, klar.“ Bis dahin wird sie weiter bei ihren Eltern wohnen und auf so manchen Komfort verzichten. „Der Mindestlohn reicht aus zum Leben, aber Luxus ist damit nicht möglich.“ dpa

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben