Diesel-Skandal : Vorstandsfrau Hohmann-Dennhardt wechselt von Daimler zu VW

In den Volkswagen-Konzern rückt die erste Frau auf: Christine Hohmann-Dennhardt kommt von Daimler und soll als Rechtsvorstand die Aufarbeitung des Diesel-Skandals überwachen.

Christine Hohmann-Dennhardt
Christine Hohmann-DennhardtFoto: promo

Der VW-Konzern holt bei der Aufarbeitung des Abgas-Skandals die Daimler-Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt in seine eigene Führungsetage. Der Konkurrent aus Stuttgart habe dem Wunsch entsprochen und entlasse die ehemalige Bundesverfassungsrichterin frühzeitig aus ihrem bis Februar 2017 laufenden Vertrag, teilten die beiden Autokonzerne am Freitag zeitgleich mit. Hohmann-Dennhardt wechselt zum 1. Januar nächsten Jahres in den Vorstand der Volkswagen AG.

Die 65 Jahre alte promovierte Juristin soll Volkswagen helfen, den Abgas-Skandal zu bewältigen. Die Wolfsburger hatten die Schaffung des neuen Ressorts für Compliance (Integrität und Recht) bereits bekannt gegeben. Neben ihrer Funktion als Richterin am Bundesverfassungsgericht war Hohmann-Dennhardt auch hessische Justizministerin für die SPD. Sie wird zur ersten Vorstandsfrau in der Geschichte des VW-Konzerns. „Wir freuen uns, dass wir Frau Dr. Hohmann-Dennhardt für diese verantwortungsvolle Aufgabe gewinnen konnten und auf ihre herausragende Fachkompetenz und Erfahrung bauen können“, sagte VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch laut Mitteilung.

Volkswagen hat im September weniger Autos verkauft

Im September hat Volkswagen wegen der schwachen Nachfrage in Schwellenländern weltweit erneut weniger Autos verkauft als vor einem Jahr. Im vergangenen Monat seien 885 300 Fahrzeuge zu den Kunden gerollt, 1,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist, teilte der Autobauer am Freitag mit. Seit Jahresbeginn schrumpfte der weltweite Absatz ebenfalls um 1,5 Prozent auf 7,43 Millionen Fahrzeuge. Auf dem mit Abstand wichtigsten Markt der Wolfsburger in China sanken die Auslieferungen in den ersten neun Monaten um fünf Prozent. In den USA stiegen sie dagegen um drei Prozent. Wegen der Schwäche im Reich der Mitte hat Volkswagen seine Verkaufsziele für das laufende Jahr bereits gekappt. Der Skandal um manipulierte Abgaswerte hinterließ noch keine Spuren in den Absatzzahlen. Experten rechnen damit ohnehin erst in den kommenden Monaten.

Europäischer Automarkt stabil

Die Abgas-Affäre lässt den europäischen Automarkt insgesamt noch weitgehend unbeeindruckt. In den Ländern der EU wurden im September knapp 1,36 Millionen Autos neu zugelassen – 9,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Wie der Branchenverband Acea am Freitag in Brüssel mitteilte, war dies der 25. Anstieg in Folge. Mehreren Wettbewerbern gelangen zuletzt aber größere Zuwächse als VW. Als Gesamtkonzern legte Volkswagen im vergangenen Monat EU-weit um 8,4 Prozent auf knapp 316 000 neu zugelassene Fahrzeuge zu. Bei der Kernmarke VW fiel die Steigerung mit 6,6 Prozent auf 152 130 Wagen geringer aus. Die Wettbewerber BMW und Daimler meldeten jedoch weitaus bessere September-Zahlen. dpa/rtr

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