Wirtschaft : Diesel wird sauberer – gegen Aufpreis

Peugeot verkauft die neue Technik längst serienmäßig, deutsche Autohersteller sträuben sich

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Es ist das gleiche Spiel wie Anfang der 90er Jahre, als sich die deutschen Autohersteller massiv gegen die Einführung des Katalysators wehrten. Erst auf öffentlichen Druck und durch die steuerliche Förderung lenkten VW und Co. ein. Was angeblich technologisch noch nicht ausgereift war, ging dann doch. Ebenso verläuft heute die Debatte um den Partikelfilter für Dieselfahrzeuge.

Was Peugeot seit zwei Jahren anbietet, galt den deutschen Herstellern lange als unausgereift. Jetzt hält der Filter auch in deutschen Modellen Einzug. Allerdings sehr langsam. Bernd Gottschalk, Präsident des mächtigen Branchenverbands VDA, erklärt gleichwohl stolz, bis 2008/09 würden neue Fahrzeuge deutscher Hersteller mit Partikelfiltern der zweiten Generation auf den Markt kommen. Umweltschützer schütteln den Kopf. „Unverschämt“, heißt es beim Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Nach wie vor ist Peugeot hierzulande der einzige Hersteller, der in all seinen Modellen vom kleinen 206 bis zum großen 807 den Filter serienmäßig und ohne Aufpreis anbietet. Die deutschen Anbieter haben zwar laut einer aktuellen Aufstellung des VCD nachgezogen. Aber allein Opel kann wirklich punkten: Vom Astra bis zum Signum gibt es überall saubere Diesel. Beim Astra allerdings muss der Kunde 495 Euro extra für den Filter bezahlen. Serienmäßig gibt es den Filter bei deutschen Autobauern ohnehin noch zu selten, klagt VCD-Sprecher Daniel Kluge.

BMW bietet den Filter serienmäßig in der 5er-Reihe, für den neuen 1er und den 3er gibt es jedoch nicht einmal gegen Aufpreis die saubere Technik. Mercedes baut den Filter nur im E280CDI automatisch ein, bei allen anderen Modellen von der A-Klasse bis zum S 320 sowie dem Viano sind Aufpreise von zwischen 522 und 806 Euro fällig. Fünf- und Achtzylinder-Diesel aus Stuttgart müssen immer noch ohne Filter auskommen. Ford bietet nur beim Focus die Rußreinigung – gegen Zahlung von 600 Euro. VW stattet dagegen alle Modelle oberhalb des Golf serienmäßig mit dem Partikelfilter aus.

Zögerlicher ist dagegen die Konzerntochter Audi. Für den A3 gibt es keinen Saubermann, für den A4 zum Teil erst mit Verzögerung und wie für A6 und A8 nur gegen Zuzahlung von 690 Euro. Bei einem Modell wie dem A8 3,0 TDI, der 61300 Euro teuer ist, ist das nach Ansicht von VCD-Sprecher Kluge ein Skandal. Noch fragwürdiger ist die Politik beim neuen A6 Avant, der im Januar zu den Händlern kommt. Für den neuen 2,7-Diesel bietet Audi nicht einmal gegen Aufpreis einen Filter an. „Das wird irgendwann im Laufe des ersten Halbjahres 2005 passieren“, sagt Audi-Sprecher Udo Rügheimer.

In den Augen des VCD hat die Autoindustrie die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt. „VW und Co. haben viel zu lange blockiert“, sagt Kluge. Er macht allerdings auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für den Missstand verantwortlich. Im September hatte er gemeinsam mit Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) angekündigt, ab Anfang 2005 Diesel mit Rußfilter mit 600 Euro zu fördern. Bislang ist es bei der Absicht geblieben – offenbar weil Finanzminister Hans Eichel (SPD) etwas dagegen hat. Dabei hat die EU unlängst den Weg frei gemacht: Autos, die weniger als fünf Milligramm Ruß pro Kilometer ausstoßen, dürfen steuerlich gefördert werden.

Der fehlende Steuerbonus bremst die Nachfrage. Trotzdem rät VCD-Sprecher Kluge allen potenziellen Diesel-Käufern, nur Autos mit Filter anzuschaffen. Nicht nur aus Umwelt- und Gesundheitsgründen – die Krebs erregenden Rußpartikel sind jedes Jahr laut Umweltbundesamt für 14000 Todesfälle verantwortlich. „Das rechnet sich auch ökonomisch. Weil die steuerliche Förderung, wenn sie kommt, auch für diese Fahrzeuge gelten wird. Und weil der Wiederverkaufswert künftig auch vom Filter bestimmt wird.“

Etliche Dieselfahrer bemühen sich schon jetzt, ihr Auto mit einem Filter nachrüsten zu lassen. Aber wegen der fehlenden steuerlichen Anreize läuft das Geschäft eher schleppend. Dabei werden Nachrüstfilter zumindest von zwei Zulieferern, Twin-Tec und HJS, schon für viele Modelle angeboten. Der Preis für die Nachrüstung liegt bei etwa 600 Euro.

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