DIE SITUATION IN BERLIN : Was dem Nachwuchs abverlangt wird

Auch in Werbeagenturen, Unternehmensberatungen und Kanzleien in Berlin sind Überstunden für Praktikanten keine Seltenheit. Zehn- bis zwölf-StundenTage seien normal, berichtet eine Jurastudentin, die ein Praktikum in einer Berliner Wirtschaftskanzlei hinter sich hat. Mit den langen Arbeitszeiten würden die Praktikanten bereits auf das vorbereitet, was später im Job auf sie zukomme. „Die Kollegen haben oft das Wochenende im Büro verbracht“, erzählt die heute 23-Jährige. In Berlin, sagt sie, seien die Arbeitszeiten aber längst nicht so schlimm wie in London. Auch dort hat sie ein Praktikum in einer Kanzlei gemacht. „Meine Chefin hat mir am ersten Tag immer wieder neue Aufgaben gegeben und so ausgetestet, wie lange ich abends bleiben würde“, sagt sie. In der Kreativwirtschaft ist die Situation ähnlich: „In stressigen Zeiten werden Praktikanten als Ersatz für Festangestellte oder freie Mitarbeiter eingesetzt“, berichtet ein Student im Internet über seine Erfahrungen in einer Berliner Agentur. „Viele Überstunden, vor allem am Wochenende, werden erwartet.“ Die Gewerkschaft Verdi hört solche Klagen immer wieder. „Gerade im Kreativsektor werden Praktikanten oft als unbezahlte Arbeitskräfte ausgenutzt“, sagt Andreas Splanemann vom Verdi-Landesverband Berlin. cne

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