Wirtschaft : Diesmal hat der Oktober die Anleger versöhnt

Veronika Csizi

Das konnte nicht gut gehen. Um ein sattes Viertel hatte der Dax seinen Punktestand seit dem Tief am 21. September bei gut 3500 Zählern aufgestockt - zuviel für einen Premiumindex binnen fünf Wochen. Bei 4820 Punkten war vorerst Schluss. Auf breiter Front nahmen die Anleger Gewinne mit. Wer zu Monatsbeginn auf Schnäppchenjagd gegangen war, stand Ende Oktober bei vielen Dax-Werten dick im Plus. Zwar kosteten die letzten drei Handelstage den Dax fast 300 Punkte, doch blieb beispielsweise bei Monatsgewinner Epcos ein Plus von knapp 40 Prozent. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die anderen Familienmitglieder: Konzernmutter Siemens, deren Aktie im Oktober um fast 24 Prozent anzog, und Infineon, die ein Plus von mehr als 20 Prozent schafften.

Dass der Optimismus in den vergangenen Handelswochen zurückgekehrt ist, demonstrierten die Anleger vor allem beim Chipkonzern Infineon. Obwohl die Halbleiter-Preise weiter sinken und Experten angesichts des Preisverfalls schon mit ersten Pleiten in der Branche rechnen, sahen viele Börsianer offenbar das berühmte Licht am Ende des Tunnels und drückten angesichts von Kursen um die zwölf Euro auf die Kauftasten. Fast 60 Prozent schnellte das Papier zwischenzeitlich nach oben, musste zum Monatsende aber wieder Federn lassen. Auch Siemens konnte sich behaupten.

Erstmals der schwachen Konjunktur Tribut zollen musste dagegen SAP. Nach drei überraschend guten Quartalen berichtete das Softwarehaus nun von fallenden Gewinnen und korrigierte auch die Umsatzprognose für das Gesamtjahr nach unten. Die Strafe des Marktes fiel drakonisch aus: Um 17 Prozent ging das Papier binnen eines Handelstages in die Knie. Allerdings ist SAP das einzige Dax-Unternehmen, das im bisherigen Jahresverlauf überhaupt im Plus notiert. Wie verschieden die Konjunkturaussichten beurteilt werden, reflektieren die extrem unterschiedlichen Bewertungen der Analysten: Während die SEB-Bank ein klares "Verkaufen" empfiehlt und einen Kursrückgang bis auf 90 Euro befürchtet, sieht die US-Investmentbank Lehman Brothers in SAP ein "Strong buy", wenn auch mit reduziertem Kursziel (150 Euro).

Allerdings mehrten sich zuletzt auch von Seiten der Börsenlokomotive Nordamerika wieder jene Stimmen, die weiter nichts als steinige Wege für Aktionäre sehen. Geschockt hat viele Investoren vor allem das für die amerikanischeWirtschaft so wichtige Verbrauchervertrauen, das gerade auf ein Sieben-Jahres-Tief gefallen ist. Dies löste an den Börsen prompt Gewinnmitnahmen aus.

Bullen mit Bärenfell

Fundamentale Verkaufs-Argumente lieferten den Anlegern vor allem das Medizintechnik-Unternehmen Fresenius Medical Care (FMC) und der Chemiekonzern Degussa. Beide Unternehmen warnte vor schrumpfenden Gewinnen. Auch die Deutsche Telekom enttäuschte am Mittwoch die Anleger mit tiefroten Zahlen. Dies zeigte auch Wirkung auf dem Parkett. Der Kurs der Telekom gab um rund zwei Prozent nach. Glück hatte hingegen die Deutsche Bank. Zwar musste auch sie über einem Gewinneinbruch von 38 Prozent in den ersten neun Monaten berichten. Die Anleger schauten aber zunächst einmal auf das überraschend gute Handelsergebnis des Bankhauses.

Und dass sich die Bullen gegen Monatsende wieder Bärenfelle übergestreift haben, bewies vor allem VW: Das Zahlenwerk für die ersten neun Monate dieses Jahres rangiert zwar deutlich über den Erwartungen der Analysten, half jedoch nur, die Verluste zu begrenzen. Bei Daimler-Chrysler dagegen haben gute Nachrichten noch Seltenheitswert, sind somit bessere Kaufargumente. Dass die angeschlagene US-Sparte Chrysler ihre Verluste im jüngsten Quartal deutlich stärker reduzieren konnte als erwartet, dass Konzernchef Schrempp mit kämpferischem Ausblick an seinen Prognosen für das Gesamtjahr festhält, gefiel den Anlegern.

Dass die Aktie nahe an ihrem Buchwert (bei 42 Euro) notiert, überzeugte selbst vorsichtige Aktionäre. Daimler-Chrysler kam gleichwohl im Oktober nicht schneller voran als Konkurrent BMW. Das wundert nicht, denn die Münchener konnten ihre makellose Berichtsserie weiter fortsetzen. Vor allem in den USA jagt ein Absatzrekord den nächsten. Und so gehören die Besitzer von Auto-Papieren zu den zweitglücklichsten Aktionären im Oktober: Zwar reichen die Monatsgewinne nicht an jene der Siemens-Familie heran, doch blieben immerhin noch zweistellige Renditen. Nach vielen Salami-Crash-Monaten hat der eigentliche Crash-Monat Oktober diesmal also wieder versöhnt.

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