Wirtschaft : Dieter Vogel zieht in die Bertelsmann-Führung ein

Spitze des Medienkonzerns nach Personalquerelen umbesetzt – Manager-Tagung in Berlin soll künftige Strategie festlegen

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Berlin (fo). Der Medienkonzern Bertelsmann ist auf der Suche nach Orientierung. Vorstandschef Gunter Thielen hat deshalb die 500 Topmanager des weltweit agierenden Unternehmens für Donnerstag und Freitag nach Berlin gerufen. Eigentlich war das traditionelle Treffen erst für das Jahr 2004 geplant. Das Vorziehen der Veranstaltung darf auch als Hinweis darauf gelten, dass Thielen nach dem Machtkampf an der Spitze des Unternehmens und den Irritationen über die künftige Ausrichtung der Konzernpolitik möglichst schnell Klarheit schaffen will.

Helfen soll ihm dabei künftig Dieter Vogel, der frühere ThyssenVorstandsvorsitzende. Zum Jahreswechsel übernimmt Vogel den Chefposten des Bertelsmann-Aufsichtsrates. Neben Thielen, Firmenpatriarch Reinhard Mohn und dessen Frau Liz zählt der 62-Jährige damit zu den entscheidenden Köpfen im Hause Bertelsmann. Vogel wird sich diesen Schritt gut überlegt haben. Seine Vorgänger, Gerd Schulte-Hillen und Mark Wössner, schieden im Streit mit den Eigentümern des Druck- und Verlagshauses aus.

Glücklos bei Bahn und Thyssen

Vogel hatte es zwar nie wie Schulte-Hillen (Ex-Gruner+Jahr-Chef) oder Wössner (ehemals Bertelsmann-Chef) bis in die Spitze des Bertelsmann-Managements geschafft. Aber als Vorstandsassistent in Gütersloh und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Tochter Mohndruck, knüpfte er in den 70er-Jahren Kontakte mit Deutschlands größter Mediengruppe, die er auch später pflegte. Noch 1997, als Vogel keine glückliche Figur im Übernahmekampf um Thyssen machte, tauchte seine Bertelsmann-Vergangenheit wieder auf. Mark Wössner, zu diesem Zeitpunkt noch fest im Sattel bei Bertelsmann, stand seinem Ex-Kollegen bei – hinter den Kulissen, vor allem aber in der Öffentlichkeit. Ein Vorgang, der in Managerkreisen kritisch beobachtet wurde, zumal Vogel trotz Einschaltung von Politik und Gewerkschaften es nicht schaffte, die feindliche Attacke durch Krupp abzuwehren.

Seit seinem Ausscheiden bei dem neu entstandenen Stahlriesen Thyssen-Krupp betätigt sich Vogel als Berater. In den vergangenen fünf Jahren tauchte er drei Mal wieder auf: Erst als neuer Aufsichtsratschef der Bahn. Dieser Job währte nur kurze Zeit wegen Differenzen mit Bahnchef Hartmut Mehdorn über die Strategie des Bundesunternehmens. Vogel zog sich zurück. Spekuliert wurde kurze Zeit darauf über Vogel als möglichen neuen Vorstandsvorsitzenden des Axel Springer Verlags. Daraus wurde aber nichts. Die Bundesregierung engagierte ihn später als Vermittler im Streitfall France-Telecom gegen Mobilcom. Vogel musste den früheren französischen Hauptaktionär davon überzeugen, seine Milliarden schweren Forderungen gegen Mobilcom fallen zu lassen. Das schaffte Vogel mit Erfolg.

Vogel ersetzt Schulte-Hillen, der sich als einer der wenigen Manager im Bertelsmann-Konzern gegen die Fusion der Musiksparte BMG mit Sony Music stemmte. Das Milliarden schwere Geschäft wird gerade vollzogen, Schulte-Hillen musste sich dagegen auf Druck der Familie Mohn zurückziehen.

Vogel wird kraft Amtes als Vorsitzender des Aufsichtsrates auch Mitglied in der von der Familie Mohn dominierten Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft (BVG). Sie hält 75 Prozent der Stimmrechte der Aktiengesellschaft. An der BVG führt in strategischen Fragen keine Weg vorbei.

Erst vor wenigen Tagen hatte Jürgen Strube, ehemaliger BASF-Vorstandsvorsitzender und künftig Stellvertreter Vogels im Aufsichtsrat, die Diskussion um den Vorstandsvorsitz bei Bertelsmann entfacht. Strube sprach sich in einem Interview indirekt für eine Verlängerung des Vertrages von Gunter Thielen über das bisherige Vertragsende 2005 hinaus aus. Dabei war der heute 61-jährige Thielen in einem Alter bei Bertelsmann angetreten, in dem die Topmanager des Hauses eigentlich in den Ruhestand gehen. Auch die Nachricht, Finanzvorstand Siegfried Luther sei als Verwalter des Nachlasses von Reinhard Mohn abgesetzt worden, hatte in den vergangenen Tagen für Zündstoff bei Bertelsmann gesorgt.

Jobs bei BMG-Sony in Gefahr?

Informationen von Thielen werden auf der Berliner Tagung auch in der Frage erwartet, wie es in der Musiksparte nach der Fusion weitergehen soll. Nach einem Bericht des Manager Magazins soll die Fusion mit massivem Arbeitsplatzabbau einhergehen. Die von dem Blatt genannte Zahl von 2000 Stellen bezeichnete ein Bertelsmann-Sprecher als Spekulation. Er räumte jedoch ein, dass Restrukturierungen derzeit in der gesamten Musikbranche ein Thema sind. Sony und BMG hätten bereits in der Vergangenheit deutliche Schnitte bei den Kosten gemacht. „Von den Einsparungen, die bevorstehen, sind die meisten zu erwarten in Bereichen, wo es Doppelungen gibt“, sagte er. Ziel sei ein gestärktes Musikunternehmen.

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