Wirtschaft : Dieter Zetsche ist Aufräumen gewohnt

Dagmar Rosenfeld

Berlin - Milliardenverluste, miserable Modelle, ein ebenso miserables Management und eine ganze Nation gegen sich – Dieter Zetsches Startbedingungen als neuer Chrysler-Chef in Detroit waren mies. Als er den Job Anfang 2000 antrat, war er nicht nur der dritte Chef in 14 Monaten, er war auch der erste Nicht-Amerikaner an der Chrysler-Spitze. „Die Leute haben gedacht, sie bekommen Adolf Hitler“, sagte ein US-Autoexperte. „Aber dann ist ihnen Martin Luther erschienen.“ Zetsche hat der Belegschaft seine Thesen gleich zu Anfang verkündet: „Politik und Intrigen interessieren mich nicht, ich will nur, dass die Aufgaben erledigt werden.“

Heute, fünf Jahre später, sind die Aufgaben erledigt. Er hat 26000 Arbeitsplätze abgebaut, mehrere Fabriken geschlossen oder verkauft, günstigere Verträge mit den Zulieferern geschlossen. Chrysler ist mittlerweile die Ertragsperle des Konzerns, Modelle wie der Crossfire oder der Chrysler 300 und 300 C verkaufen sich ausgezeichnet.

Zetsche ist ein knallharter Sanierer, aber die typischen Managereigenschaften gehen ihm ab. Er ist das Gegenteil von Jürgen Schrempp – unprätentiös, nahbar und geduldig. Die Rolle des großen Firmenchefs zu spielen, fällt Zetsche manchmal schwer. Als ihn einmal ein Reporter auf einer Pressekonferenz in einem amerikanischen Chrysler-Werk fragte, wie er es geschafft habe, die Produktionskosten zu senken, hat Zetsche geantwortet: „Sie sehen doch, wir haben hier herauf die Rolltreppe abgestellt.“

Zetsche kommt 1976, nach einem Elektrotechnikstudium in Karlsruhe, zu Daimler-Benz. Er arbeitet in der Forschung, entwickelt Geländewagen, geht nach Brasilien, in die USA, wird Konzernvorstand für Marketing und Vertrieb. Zetsche ist einer, der für Schrempp die Aufräumarbeiten erledigt hat. Erst sanierte er die Lkw- Tochter Freightliner, dann reparierte er den Imageschaden von Mercedes nach dem Elchtest, und zuletzt brachte er das Geschäft bei Chrysler in Ordnung. Jetzt wird Zetsche wieder aufräumen müssen – das, was Schrempp durcheinander gebracht hat.

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