Wirtschaft : Digitale Butler

Messe Rehacare zeigt intelligente Alltagshelfer für pflegebedürftige Senioren.

Keyvan Dahesch

Düsseldorf - Aus dem Kopf von „Alias“, einer durchsichtigen Kugel, blicken große, runde Augen. Der lange Hals geht in einen kegelförmigen Körper über. An der Brust trägt er einen berührungsempfindlichen Bildschirm, mit dem man ihm mitteilen kann, was man von ihm möchte. Auch Sprachbefehle befolgt er aufs Wort. „Alias“ ist ein anderthalb Meter großer Assistenzroboter, der für den Einsatz in Wohnungen von Senioren konstruiert wurde. Dort soll er ihnen helfen, eigenständig zu leben. Zu sehen ist er auf der Messe Rehacare International in Düsseldorf, auf der bis Samstag 851 Aussteller aus dem In- und Ausland Produkte und Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf zeigen – darunter Hilfsmittel wie digitale Butler oder intelligente Waschtische.

Der Roboter „Alias“ wurde von der TU München mit dem Exzellenzcluster CoTeSys, dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT und der MetraLabs GmbH entwickelt. Neben Spielen und Unterhaltung bietet er auch Videotelefonie. So genügt etwa die Aufforderung „Rufe meine Tochter an!“, damit „Alias“ eine Verbindung über Skype herstellt. Im Notfall verbindet er zu einer Notrufzentrale und ermöglicht es dem Pflegepersonal, ihn in der Wohnung fernzusteuern und über sein Kamerasystem nachzusehen, wo und in welchem Zustand sich der Bewohner befindet. In Zukunft soll „Alias“ auch über eine akustische Ereigniserkennung Hilferufe, Wimmern oder Stürze erkennen können. Gearbeitet wird auch an einem Erinnerungsassistenten, der dem Nutzer hilft, wichtige Termine wie etwa die Einnahmezeiten von Medikamenten einzuhalten. Für Schlaganfallpatienten oder Menschen, die die zum Sprechen nötige Muskulatur nicht bewegen können, wird für „Alias“ ein sogenanntes Brain-Computer-Interface (BCI) entwickelt. Noch ist er ein Prototyp, soll aber in zwei bis drei Jahren Marktreife erlangen.

Auch das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung zeigt auf der Rehacare einen mobilen Roboterassistenten namens Care-O-bot, der ältere Menschen unterstützen soll. Der Roboter, der aus einem Arm und einer Steuereinheit besteht, kann Gegenstände automatisch lokalisieren, greifen und übergeben. Care-O-bot wurde bereits in einer stationären Pflegeeinrichtung intensiv getestet. Dort versorgte er Bewohner mit Getränken und diente als Unterhaltungsplattform. Über einen Touchscreen bietet er Spiele und Musik an und liest aus Büchern vor. Keyvan Dahesch

Der Autor ist blind und arbeitet als Journalist.

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