Digitaler Animationsfilm : "Cars" und Co. stürmen die Leinwände

Sid, das Riesen-Faultier aus dem animierten Abenteuer "Ice Age" ist erfolgreicher als Tom Hanks in "The Da Vinci Code". Grund: Animationsfilme boomen in den deutschen Kinos wie noch nie in diesem Jahrzehnt.

Wiesbaden - Auf den Leinwänden haben die digital animierten Eiszeittierchen aus "Ice Age 2 - Jetzt taut's" mit 8,6 Millionen Besuchern im ersten Halbjahr die Stars des Mystery-Thrillers "The Da Vinci Code - Sakrileg" mit 5,1 Millionen Kinofans locker abgehängt, wie die Filmförderungsanstalt kürzlich bekannt gegeben hat. Und in der Hitliste der deutschen Produktionen schaffte es der putzige Animationsfilm "Felix 2" mit rund 663.000 Zuschauern immerhin auf den achten Platz.

Das sind keine Zufälle, denn vor allem computergenerierte Animationsfilme, im Fachjargon CGI-Filme, erfreuen sich schon seit sechs Jahren einer wachsenden Beliebtheit. Kamen vor fünf Jahren 18 erstaufgeführte Animationsfilme auf deutsche Leinwände, so werden es 2006 insgesamt 30 sein, wie die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) mitteilte.

Traditionelle Technik stagniert

Lief im Jahr 2001 mit "Shrek" nur ein computergenerierte 3D-Film in den Filmtheatern, so wird diese Zahl in diesem Jahr auf zehn steigen. Vier davon kamen bis Ende August heraus, sechs weitere werden bis Jahresende anlaufen, darunter potenzielle Kassenknüller wie "Cars" (ab 7. September) und "Happy Feet" (30. November).

Dagegen stagniert die Zahl der Filme, die mit traditionellen Techniken wie Zeichentrick oder Knetanimation hergestellt wurden. Vor sechs Jahren starteten 17 derartige Animationsfilme in den deutschen Kinos, während bis Ende August sieben angelaufen und 13 weitere bis Ende Dezember geplant sind.

Parallel zum Vormarsch der digitalen Animationsfilme legte laut SPIO auch deren Marktanteil überproportional zu. Zwischen 2001 und 2005 stieg der Marktanteil aller Animationsfilme am gesamten Kinofilmmarkt von 7,1 Prozent fast kontinuierlich auf 11,0 Prozent. Für die ersten acht Monate 2006 errechneten die Statistiker einen Anteil von 20,8 Prozent. Der Marktanteil der computergenerierten Animationsfilme legte von 2,0 Prozent im Jahr 2001 auf 6,6 Prozent im vergangenen Jahr zu. Für das laufende Jahr erreicht diese Animationsform bereits 17,4 Prozent. Dagegen ging der Anteil herkömmlicher Animationsfilme von 5,1 Prozent (2001) auf 4,4 Prozent (2005) zurück und fiel im laufenden Jahr auf 3,4 Prozent.

2006: Jahr des digitalen Animationsfilms

In der direkten Konkurrenz setzen sich die Computerfilme meist durch, vor allem weil sie deutlich mehr Möglichkeiten der Bildgestaltung als klassische Zeichentrickfilme etwa aus der Disney-Werkstatt bieten. Mit flotten Storys und vielen Gags sprechen die familienfreundlichen Produktionen, in denen meist Tiere wie in "Lucas, der Ameisenschreck" (12. Oktober) oder Phantasiefiguren wie in "Flutsch und weg" (7. Dezember) im Mittelpunkt stehen, außerdem eine breite Zielgruppe an. Auch den gestiegenen Ansprüchen der Zuschauer werden die CGI-Filme mit ihren dreidimensionalen Bildern besser gerecht.

Kein Wunder, dass Johannes Klingsporn, der Geschäftsführer des Verbandes der Filmverleiher, schon im Mai darauf hinwies, dass auf einer Kinofachkonferenz in den USA "2006 als das Jahr des computeranimierten Films ausgerufen wurde". Dabei ist es gerade mal ein Jahrzehnt her, dass mit der Pixar-Produktion "Toy Story" der erste lange computergenerierte Animationsfilm im Bereich Family Entertainment durch die Kinoprojektoren lief und 1995 hierzulande 2,6 Millionen Besucher anlockte. (tso/ddp)

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