Wirtschaft : DIHK: Globalisierung schafft Jobs im Inland Umfrage sieht anhaltenden Trend zur Verlagerung

Carsten Brönstrup

Berlin - Das Engagement deutscher Unternehmen im Ausland schafft auch im Inland neue Arbeitsplätze. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) von 4400 Unternehmen, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Vor allem Firmen, die im Ausland in den vergangenen fünf Jahren investiert haben, hätten in der Bundesrepublik überdurchschnittlich viel Personal eingestellt. „Deutschland profitiert stark von der zunehmenden Globalisierung“, sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun.

Von den im Ausland tätigen Firmen hatten 37 Prozent seit dem Jahr 2000 Arbeitsplätze im Inland geschaffen. 22 Prozent dagegen haben Mitarbeiter abgebaut. 55 Prozent der Firmen konnten durch die Aktivitäten im Ausland ihren Umsatz steigern, bei nur 19 Prozent gingen die Erlöse zurück. Jobs in Deutschland würden vor allem in höher qualifizierten Bereichen geschaffen, etwa bei der Kontrolle von im Ausland hergestellten Produkten. Der Trend zur Verlagerung sei ungebrochen – mehr als jede fünfte Firma plane diesen Schritt oder habe ihn bereits vollzogen, ergab die Studie. Hauptziele seien die neuen EU-Mitgliedsländer in Osteuropa, vor allem Polen sowie Asien.

Zuletzt hatten viele Konzerne – etwa der Reifenhersteller Continental oder der Lkw-Bauer MAN – Werke im Ausland aufgebaut. Trotz der DIHK-Studie streiten Fachleute über die volkswirtschaftlichen Folgen der Globalisierung für die Beschäftigung. Die Verlagerung arbeitsintensiver Verfahren nach Osteuropa oder Asien führe dazu, dass Deutschland nur noch eine Drehscheibe für Güter sei, die Wertschöpfung finde im Ausland statt. Diese These von der „Basar-Ökonomie“ vertritt Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener Ifo-Instituts. Der Wirtschafts-Sachverständigenrat dagegen hatte herausgefunden, dass die Globalisierung der Industrie eher nutze als schade.

DIHK-Chef Braun warnte davor, dass mit der Produktion auch die Entwicklungsabteilungen abwandern könnten. Hier müsse die Politik gegensteuern und bessere Forschungsbedingungen schaffen. Zudem müssten deutsche Universitäts-Absolventen stets besser sein als ihre Konkurrenten im Ausland – und sich zugleich bei den Lohnkosten an ihnen messen lassen.

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