Wirtschaft : DIHK: Konjunktur bleibt auch 2007 in Schwung

Verband rechnet nach Dämpfer durch die höhere Mehrwertsteuer mit neuer Dynamik

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Berlin - Die Unternehmen in Deutschland rechnen schon in den kommenden Monaten mit einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums. „Die Konjunktur ist heiß gelaufen“, erklärte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Mittwoch aufgrund einer Umfrage bei mehr als 25 000 Firmen. „Nach einem wirklich guten Jahr 2006 lässt der konjunkturelle Schwung zum Jahreswechsel nach“, ergänzte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Derzeit bewerten die Firmen ihre aktuelle Lage noch so gut wie seit dem Wiedervereinigungsboom Anfang der neunziger Jahre nicht mehr. Der anziehende Konsum im Inland werde von florierenden Geschäften im Ausland begleitet. Der Höhepunkt des Aufschwungs sei allerdings bereits überschritten. Darauf deuteten die eingetrübten Geschäftserwartungen der Unternehmen hin. 27 Prozent der befragten Firmen rechnen mit einer besseren Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten, im Frühsommer waren es noch 34 Prozent. 55 Prozent (53) rechnen mit einer gleich bleibenden und 18 (13) Prozent mit einer schlechteren Lage. Die nahende Abschwächung sei „hausgemacht und wirkt wie Störfeuer“, warf Wansleben der Politik mit Blick auf die steigende Mehrwertsteuer vor. Die Pläne der Regierung verhinderten, dass es ein stärkeres Plus bei den Ausrüstungsinvestitionen gebe. Vor allem binnenmarktorientierte Branchen seien skeptisch.

Der Aufschwung wirke sich bereits auf den Arbeitsmarkt aus, erklärte der DIHK. Bei einem Wachstum von 2,3 Prozent in diesem Jahr werde es 350 000 Arbeitslose weniger geben. Im kommenden Jahr werde das um 1,5 Prozent stärkere Bruttoinlandsprodukt die Arbeitslosenzahl um 300 000 drücken. „Steigende Exporte, mehr Gewinne, zusätzliche Investitionen – das alles führt zu mehr Arbeitsplätzen und zu mehr Konsum“, sagte Wansleben. und nach einem Dämpfer könne die Konjunktur 2007 wieder an Dynamik gewinnen – darauf deuteten die Investitions- und Beschäftigungspläne der Unternehmen hin. Die Voraussetzung dafür sei allerdings eine Unternehmensteuerreform, bei der auf die Besteuerung von Kostenteilen wie Zinsen oder Leasingraten verzichtet werde. Außerdem müsse der Staat stärker sparen und mehr für die Bildung tun.

Eine ähnliche Prognose wie der DIHK werden an diesem Donnerstag die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten vorlegen. Sie nehmen eine Rate von 2,3 Prozent für dieses Jahr an – im Frühjahr hatten sie noch mit 1,8 Prozent gerechnet. Für 2007 sagen sie nun 1,4 statt zuvor 1,2 Prozent voraus. Am Freitag will dann auch die Bundesregierung ihre Annahmen nach oben korrigieren. brö/HB

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