Wirtschaft : DIHK warnt vor Folgen eines Kriegs mit dem Irak Schwerer Schlag für die Weltwirtschaft befürchtet

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Berlin (dpa). Die deutsche Wirtschaft wird es nach Einschätzung des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK) auch im kommenden Jahr sehr schwer haben. „Wir haben die Chance auf eine allmähliche Erholung im Frühjahr, wenn es nicht zu einem anhaltenden Irak-Krieg kommt“, sagte der Präsident des Verbandes, Ludwig Georg Braun, am Montag. Er rechne dann mit einer anziehenden Weltwirtschaft. Beim deutschen Wachstum hält der Verband an seiner Konjunkturprognose von plus einem (2002: 0,2) Prozent fest. Am Arbeitsmarkt rechnet der DIHK trotz positiver Erwartungen an die Hartz-Reform unter dem Strich zunächst noch mit höheren Belastungen.

Wie Braun mitteilte, sind die Beschäftigungs- und Investitionsplanungen der Unternehmen auch im kommenden Jahr zumeist weiter nach unten gerichtet. So gehen die Fachleute des DIHK jetzt von einem Stellenabbau von bis zu 300 000 Arbeitsplätzen und einem Anstieg der Zahl der Arbeitslosen bis auf 4,4 oder 4,5 Millionen im Winter aus. Nach gut vier Millionen im Schnitt dieses Jahres fürchten sie für 2003 einen Anstieg auf durchschnittlich 4,2 bis 4,3 Millionen.

Zugleich werde die diesjährige Rekordzahl von voraussichtlich 37 000 Insolvenzen – ein Anstieg von 20 Prozent im Vergleich zu 2001– im kommenden Jahr mit mehr als 40 000 sicher noch einmal übertroffen. Dann wird auch mit einem Rückgang der realen Investitionen um ein Prozent und der Bautätigkeit um vier Prozent gerechnet. Dabei gebe es allerdings zahlreiche Unternehmen in günstigerer Lage.

„Die meisten mittelständischen Unternehmen – insbesondere in den Schwächefeldern Bauwirtschaft und Handel – müssen sich auf ein schwieriges Jahr 2003 einstellen“, sagte Braun. Etwas besser seien die Aussichten für exportorientierte Unternehmen. „Sollte ein militärischer Konflikt mit dem Irak vermieden werden oder aber rasch abgeschlossen werden können, dürfte sich vom Frühjahr 2003 an die weltwirtschaftlich Entwicklung wieder beleben.“

Wenn es zu einem Irak-Krieg kommen sollte, ist das Ausmaß der Schäden für die deutsche und weltweite Wirtschaft nach Meinung des Verbandes nicht einschätzbar. Dies hänge auch von der Stabilität im gesamten Nahen Osten ab. Sicher werde der Ölpreis in die Höhe schnellen. „Auf jeden Fall wäre es ein schwerer Schlag gegen die Weltkonjunktur, von der wir nun mal abhängen.“

Was die Stärkung der Binnenkonjunktur angeht, vertraut Braun auf die „Reformfähigkeit des Landes“ und weitere Entlastungen von 2003 an für Unternehmen, was Steuern, Abgaben und Bürokratie angehe. Die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) wird jedoch als „Placebo“ angesehen. „Weder Investoren noch Konsumenten dürften sich im aktuellen politischen Umfeld von niedrigeren Zinsen direkt zu mehr wirtschaftlichen Aktivitäten anregen lassen.“ Die EZB habe aber ihre Hausaufgaben gemacht, die Politik dagegen noch nicht, kritisierte der DIHK-Präsident.

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