Wirtschaft : DIHT appelliert an Paris

Der Verantwortung für Europa gerecht werden / Franc im Verlauf erholt / Gold billiger BONN/PARIS (Tsp/dpa/Reuter).Der DIHT hofft, auch nach dem Wahlsieg der Linken in Frankreich auf eine Fortsetzung der marktwirtschaftlichen Reformen und einer Politik der europäischen Integration.Eine Überbetonung der Beschäftigungspolitik würde dagegen große Risiken für die europäische Stabilitätsgemeinschaft bergen, warnte der Verband am Montag in Bonn.Auch BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel erklärte, ein Beschäftigungskapitel schaffe keinen einzigen Arbeitsplatz.Einen Euro zu schlechteren Konditionen dürfe es nicht geben, hieß es beim DIHT.Man erwarte, daß Frankreich auch künftig mit Deutschland seiner besonderen Verantwortung für Europa nachkommen werde.Beide Länder müßten Motoren der europäischen Integration bleiben. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Frankreich sind seit Jahrzehnten stetig gewachsen.Heute sind beide Länder füreinander jeweils mit Abstand der wichtigste Handelspartner.Auch über hohe Direktinvestitionen sind die deutsche und französische Wirtschaft eng verflochten.Hinzu kam bisher die Abstimmung in der internationalen Wirtschaftspolitik und das gemeinsame Eintreten für den Euro.1996 allerdings ging das Volumen des deutsch-französischen Handels erstmals seit Jahren leicht zurück.Aus deutscher Sicht verringerten sich die Importe um drei Prozent auf 71 Mrd.DM.Die Ausfuhren blieben mit 84 Mrd.DM um vier Prozent unter dem Vorjahreswert.Der traditionell positive deutsche Handelssaldo schmolz von 14,6 auf 13 Mrd.DM.Am französischen Außenhandel hat Deutschland bei den Ein- und Ausfuhren jeweils einen Anteil von 18 Prozent und liegt damit weit vor Italien mit zehn Prozent.Auch aus deutscher Sicht ist Frankreich mit einem Anteil von rund zwölf Prozent am Export und elf Prozent am Import der wichtigste Handelspartner.Wichtigste Handelsgüter sind in beide Richtungen Autos, Maschinen, Elektrotechnik und Chemieprodukte. Unternehmen aus Frankreich waren 1996 diejenigen, die noch am meisten am sonst von Ausländern gemiedenen Standort Deutschland investierten.Ihre Direktinvestitionen gingen aber von 1,6 auf 1,1 Mrd.DM zurück.Frankreich zählt auch in den neuen Ländern zu den größten Investoren.Der Bestand französischer Investitionen in Deutschland betrug 1995 insgesamt rund 20 Mrd.DM.In umgekehrte Richtung flossen 1996 deutsche Direktinvestitionen in Höhe von 1,4 Mrd.DM.Als Ziel deutscher Anlagen lag Frankreich damit aber nur an neunter Stelle.Der Bestand deutscher Direktinvestitionen in Frankreich betrug 1995 rund 25 Mrd.DM. Nach dem Wahlsieg des Linksbündnisses bei den französischen Parlamentswahlen sind die Kurse an der Pariser Börse am Montag erneut eingebrochen.Der CAC-Index 40 führender Werte, der in der vergangenen Woche bereits 6,5 Prozent eingebüßt hatte, verlor zur Eröffnung 2,76 Prozent, erholte sich aber bis Mittag auf ein Minus von 1,53 Prozent.Der Franc fiel am Morgen auf den Kurs von 3,3860 DM und damit auf den niedrigsten Stand dieses Jahres, stieg später aber etwas und schloß mit 3,3745 Franc für eine Mark.Allerdings konnten sich Aktien wie Franc im Verlauf fangen, was am Markt als Zeichen des Abwartens und der verhaltenen Zuversicht interpretiert wurde. Auf der Verkaufsliste standen am Montag vor allem Aktien jener Konzerne, die sich um die Übernahme des staatlichen Rüstungskonzerns Thomson-CSF bewerben. Auch geht man allgemein davon aus, daß die Privatisierung durch eine Linksregierung in Frage gestellt werden könnte.Die ursprünglich noch für diese Woche vorgesehene Kapitalöffnung der staatlichen France Telecom soll aller Voraussicht nach verschoben werden.Ein Unternehmenssprecher erklärte auf Anfrage: "Wir warten auf eine Entscheidung der neuen Regierung." Ursprünglich sollte die französische T-Aktie erstmals am 9.Juni an den Börsen von Paris und New York notiert werden. Gegenüber dem US-Dollar notierte auch die D-Mark am Montag schwächer.Der Dollar kletterte gegen DM und Franc auf den höchsten Stand seit vier Wochen.Der amtliche Mittelkurs des Dollars kletterte um gut zwei Pfennig auf 1,7216 nach 1,7000 DM am Freitag.Die Bundesbank griff nicht in den Markt ein.An der Londoner Edelmetallbörse gab der Goldpreis von 345,60 Dollar auf 344 Dollar nach.

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