Wirtschaft : Direkt- und Onlinebanking (2): Häufig mangelt es an persönlicher Beratung

Hermannus Pfeiffer

Über zehn Millionen Bundesbürger führen ihr Bankkonto per Brief, Telefon oder Computer. Das "Direct-Banking" von Sparkassen, Banken und Direktbanken boomt. Inzwischen hat jedes Kreditinstitut, das etwas auf sich hält, für seine Kunden direkte Zugänge über Post und Fernsprecher, über T-Online und Internet geschaffen. Etwa jede zehnte Geldüberweisung dürfte inzwischen "direkt" abgewickelt werden. Verbraucherschützer und Bankenverband loben die günstigen Konditionen für ein Girokonto oder für den Kauf von Wertpapieren. Für viele Kunden ist zudem die Abwicklung über Telefon oder den heimischen PC rund um die Uhr äußerst praktisch.

Aber die unsichtbare Bank hält auch Nachteile für ihre Kunden bereit. So mangelt es an persönlichem Kontakt und an einer umfassenden individuellen Beratung. Besonders bei Krediten kann dieses Defizit heikel werden. Einige Direktbanken scheinen diesen Mangel erkannt zu haben und bieten mehr oder wenige ausführliche telefonische Info-Gespräche an. Die Advance-Bank wirbt in Fensehspots damit, als Direkt-Broker auch Beratung zu bieten.

Aber ob Direkt-Bank oder Direkt-Broker. Die Grenzen sind fließend geworden. Broker sind eigentlich Makler, die für Personen oder Unternehmen Wertpapiere vermitteln. Aber die modernen Direkt-Broker bieten genau so selbstverständlich Girokonten und andere Finanzprodukte an. Aber egal ob Bank oder Broker, die Produktpalette ist meist begrenzt. Allerdings gehe der Trend in Richtung eines "kompletten Dienstleistungspaketes", meint der Bankenverband.

Noch aber sind die meisten Produktpaletten recht farblos. Verbraucherschützer empfehlen daher unter dem Strich Direktbanken nur "für Verbraucher, die sattelfest sind". Sie sollten gut informiert sein und wissen, was sie wollen.

Wer jedoch Alles auf eine (Direktbank-) Karte setzen will, sollte zuvor erfragen, wo und zu welchen Kosten er Bargeld bekommt - an Automaten oder bei fremden Banken abgehoben, können Münzen und Scheine teuer kommen. Die Konditionen der einzelnen Institute unterscheiden sich erheblich und hängen im Alltag zudem von der konkreten Situation der Verbraucher ab. Zum Beispiel stellt sich für die eigenen Bargeldversorgung die Frage: Wo ist die nächste "reale" Filiale einer Bank oder Sparkasse? Zu fragen ist auch, ob das Direktbankkonto als einziges Konto ausreicht. Wird es dagegen zum Zweitkonto, kann das billige Konto im Endeffekt doch recht teuer werden. Daneben stellt sich die Frage, wie wichtig einem im Geldalltag der menschliche "Draht" zu einer Filiale ist.

Grundsätzlich können jedoch sogar Normalkunden von Sparkassen und Banken ab und zu einmal fremdgehen und "direkte" Angebote nutzen. Clevere Rosinenpicker finden Interessantes. Das Girokonto mit einem Guthabenzins von 2,5 Prozent oder der Kauf eines Fondsanteils zum halben Preis können sich lohnen. Insbesondere der Kauf und Verkauf von Anteilen an Investmentfonds lohnt sich per Direktbank.

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