• Direktanbieter locken im Netz mit deutlich günstigeren Konditionen - rund ein Drittel Zinsersparnis ist möglich

Wirtschaft : Direktanbieter locken im Netz mit deutlich günstigeren Konditionen - rund ein Drittel Zinsersparnis ist möglich

Peter Köhler

Wenn es um Aktien geht, versuchen immer mehr Bundesbürger, via PC den letzten Pfennig oder Cent bei ihrem Discount Broker herauszukitzeln. Bei Immobilienfinanzierungen begeben sie sich dagegen meist noch immer in die Obhut der Hausbank oder der Sparkasse. Dabei hat das Direktgeschäft längst auch die Hypothekenfinanzierer erreicht. Wer einen Immobilienkredit im Internet abwickelt, spart unter Umständen mehr, als er jemals mit Aktien an der Börse verdienen kann.

"Der Markt wurde durch das Internet vollkommen durcheinander gebracht", sagt Eckart Vogel, der die Online-Baufinanzierung bei der Advance Bank leitet. Die Direktanbieter lockten zunehmend Interessenten an, die sich zuvor schon eine kostenlose Beratung "von irgendwo her" geholt hätten, meint der Experte.

Wer also besonders clever sein will, der geht zu seiner Filialbank und gönnt sich ein Informationsgespräch bis ins kleinste Detail, den Zinsvorsprung sichert er sich dann aber daheim am Computer. Die Hausbank findet das natürlich weniger erfreulich. Entsprechend groß ist der Unmut der etablierten Institute über Seiteneinsteiger im Netz.

Die Hypotheken-Discount Vermittlungs GmbH ist daher ein rotes Tuch für die Branche. "Die hassen uns, ganz klar", sagt Johannes Feuling, der als Unternehmensberater für den Direktanbieter tätig ist. Ein Grund für die Abneigung der Mitbewerber ist ein Vergleichsrechner, der im Internetangebot der Mannheimer zu finden ist. Dabei kann der Kunde die Konditionen seiner Hausbank im direkten Vergleich mit dem Angebot von Hypotheken-Discount testen. In Sekundenschnelle sieht so der Kunde anhand des Zinsaufwands und der Restschuld, wie viel Geld er durch die günstigere Zinskondition sparen könnte.

Rund ein Dutzend deutschsprachige Angebote im Internet verdienen wirklich das Etikett "interaktiv" (siehe Auswahl). Zu den Bausteinen der Anbieter zählen Online-Darlehensanträge für Erst- oder Anschlussfinanzierungen, die Errechnung monatlicher oder jährlicher Belastungen bei vorgegebener Darlehenshöhe oder auch Gesamtübersichten über die Darlehensverläufe. Zum Standardrepertoire gehören üblicherweise aktuelle Zinskonditionen und Erläuterungen der eigenen Begriffswelt der Baufinanzierer, von Annuität bis Zweckerklärung. Von einer vollkommenen Online-Finanzierung sind die Anbieter aber noch weit entfernt.

Die notwendigen Dokumente - wie etwa die Teilungserklärung oder der Grundbuchauszug - müssen weiter auf dem Postweg eingereicht werden. Außerdem leisten sich fast alle Direktfinanzierer eine telefonische Hotline, um stecken gebliebenen Surfern weiterzuhelfen. Viele Webauftritte sind "zu stark technologie- und zu wenig kundenorientiert", meint Feuling. Zu oft werde gegen das "Kiss-Gebot" verstoßen: "Keep it simple and stupid" - halte es einfach und dumm.

Die Mühe bei der Überwindung technischer Fallstricke zahlt sich aber aus. Über die Jahre gerechnet kann sich ein Direktabschluss über das Internet als sehr vorteilhaft für die Haushaltskasse erweisen. In der Regel ist der Zinsvorteil gegenüber einem traditionellen Anbieter bei drei Zehntel zu veranschlagen, in Ausnahmefällen können es auch mal neun Zehntel sein. Dabei wird aus Sicht der Anbieter die "Prozess-Straffung" belohnt, also das direkte Abwickeln des Geschäfts mit dem Kunden.

In einer Beispielrechnung würde sich eine Zinsersparnis von 0,3 Prozentpunkten bei einer Darlehenssumme von 250 000 DM bei zehnjähriger Laufzeit und einer Monatsrate von 1487,50 DM in einer Ersparnis von rund 9598 DM niederschlagen. Bei einer Darlehenssumme von 300 000 DM und 15-jähriger Laufzeit sowie einer Monatsbelastung von 1890 DM sind sogar rund 20 360 DM an Ersparnis möglich - da lohnt sich der Blick ins Internet durchaus.

Noch ist der Anteil des Online-Baugelds am Gesamtvolumen vermutlich gering, Abschlusszahlen sind in der Branche absolutes Tabu. Lediglich die Hypotheken-Discount lässt sich in die Karten schauen. Danach finden pro Monat bei rund 26 000 "Anwendersitzungen" etwa 500 bis 600 "Downloads" der Darlehensanfrage statt. 30 bis 40 ausgedruckte Anträge mit einem durchschnittlichen Darlehensvolumen von 220 000 DM erreichen den Vermittler, und davon führt rund die Hälfte zum Abschluss.

Trotz des noch dünnen Rinnsals sind alle Beteiligten der Meinung, dass sich dieser Vertriebsweg zu einem breiten Fluss entwickeln wird. "Die Zahlen belegen, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagt Matthias Hilgert aus dem Marketing der Depfa Direkt. Die Erfahrungen seit Anfang 1998 werde man in eine neue Programmversion einfließen lassen, die im ersten Quartal 2000 kommen soll.

Bei der DG Hyp verweist Cornelia Woithe, die für den "Hypofix"-Vertrieb zuständig ist, auf die sogenannte Generation @: "Die Leute wachsen mit der Technik auf. Wir denken schon, dass es das Geschäft der Zukunft ist. Im Laufe eines Jahres wollen wir zehn bis 20 Prozent des Geschäftsvolumens im Bereich der Privatkunden online abwickeln." Das Webangebot müsse aber künftig noch schneller und zugleich schlanker werden, sagt die Vertriebsexpertin. Eckart Vogel von der Advance Bank hat die Messlatte ähnlich hoch gelegt. Er hält eine Zukunftsprognose für die gesamte Branche parat: "Die Sache bleibt todspannend. Viele Hypotheken- und Direktbanken haben den Trend verschlafen, die müssen jetzt nachziehen."

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