Wirtschaft : Direktbroker will Aktien nur Kunden zuteilen - Wirbel vor dem Börsengang

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Beim Börsengang der Comdirect Bank Anfang Juni haben nur die Kunden des eigenen Instituts und der Mutter Commerzbank eine realistische Chance, Aktien zu erhalten. Comdirect-Vorstand Bernt Weber sagte dem Handelsblatt, der größte Teil für Anleger werde an Kunden der Comdirect Bank gehen. Ein weiterer Teil werde vermutlich für Commerzbank-Kunden reserviert, darüber sei jedoch nicht endgültig entschieden. Für beide Gruppen gebe es jedoch keine garantierten Stückzahlen. Zwar könne man einwenden, die Comdirect Bank lasse sich dadurch ein Marketing-Instrument entgehen. "Wir halten das aber für die faire Vorgehensweise."

Weber erwartet eine Nachfrage, die das Angebot um mehr als das Zwanzigfache übersteigt. Angesichts des zu erwartenden Andrangs werden die eigenen Kunden zuerst per Losverfahren bedient. Kunden anderer Institute und diejenigen, deren Depots in der Vergangenheit kaum Umsätze gebracht haben, würden daher leer ausgehen. Das gilt auch für Kunden des Kooperationspartners T-Online. Eine eigene Tranche für Internet-Zeichner wird es nicht geben. Insgesamt werden rund 20 Prozent der Comdirect an den Neuen Markt gebracht. Nach dem Börsengang verbleibt etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) bei der Mutter Commerzbank, die restlichen 25 Prozent hält schon jetzt T-Online. Die genaue Zahl der Aktien für Privatanleger steht nach Angaben von Weber noch nicht fest. Zwischen 55 und 70 Prozent der ausgegebenen Aktien werden an Institutionelle gehen.

Im Konsortium für den Börsengang befinden sich neben dem Lead Manager Commerzbank die Institute Warburg Dillon Read, Morgan Stanley Dean Witter, Crédit Lyonnais, Banca Commerciale Italiana sowie die spanische Banco Santander. Weber erwartet, innerhalb von kurzer Zeit in den Nemax-50 aufgenommen zu werden. Zum Emissionskurs konnte Weber keine Aussagen treffen. Er rechne jedoch damit, dass die Spanne zwischen dem Ausgabekurs der Direkt Anlage Bank (12,50 Euro) und dem Ausgabekurs von Consors (33 Euro) liege.

Für die nächste Zukunft gibt der Chef der Comdirect Bank drei Strategien vor: Weber will das Brokerage-Angebot vertiefen, andere Produkte wie Versicherungen und Baufinanzierungen im Internet anbieten und schließlich die Expansion ins Ausland forcieren. Die Eröffnung der Dependance in London, "comdirect.uk", steht nach seiner Aussage unmittelbar bevor. Die technische und kaufmännische Genehmigung sei bereits erteilt, derzeit gebe es einen "Trockenlauf". Wahrscheinlich im zweiten Halbjahr werde man auch in Frankreich in die Marketing-Offensive gehen. Dort hatte das Institut im März den ansässigen Broker Paresco-Bourse gekauft. In Italien werde es ebenfalls vertreten sein. Noch im 1. Halbjahr 2001 könne der Direktbroker zudem nach Spanien expandieren. Es sei aber noch nicht entschieden, ob das Institut dort akquiriere oder einen eigenen Ableger gründen werde. Damit habe man die wichtigsten europäischen Länder abgedeckt, sagte Weber.

Die Comdirect Bank AG ist mit gut 370 000 Depots (Stand: 31. März) der größte deutsche Direktbroker. Danach folgen Consors (340 000 europaweit) und die Direkt Anlage Bank (220 000). Die Comdirect Bank wies im vergangenen Jahr bei einer Bilanzsumme von 2,3 Milliarden Euro einen Gewinn von 13,7 Millionen Euro nach Steuern aus. Das war ein Anstieg von 522 Prozent. Der Zinsüberschuss betrug 22,4 Millionen Euro. Der Brokerage-Umsatz lag bei 15,8 Milliarden Euro, ein Plus von 95 Prozent.

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