Wirtschaft : Discounter Lidl wird jetzt fair – mit Bio-Kaffee aus Honduras

Maren Peters

Berlin - Bio-Röstkaffee aus Honduras, brauner Rohrzucker aus Malawi, produziert zu menschenwürdigen Bedingungen und fair gehandelt – Produkte wie diese vermutet man eher im Bioladen als bei Lidl. Doch das soll sich schon bald ändern: Der Discounter will von Juni an „fair gehandelte Ware“ aus Drittweltländern in seinen 2700 deutschen Filialen anbieten. „Wir beginnen mit sieben oder acht Produkten und werden das Angebot nach und nach ausweiten“, sagte Unternehmenssprecher Thomas Oberle. Am Donnerstag ist ein entsprechender Vertrag zwischen Lidl und dem Verein „Transfair“ unterzeichnet worden. Lidl sei die erste Handelskette, die ein komplettes Fairtrade-Sortiment unter der Eigenmarke „Fairglobe“ anbiete, heißt es bei Transfair, dem Verein, der die Interessen armer Kleinbauern vertritt.

Für Branchenbeobachter kommt dieser Schritt nicht überraschend. Lidl hat ein Imageproblem. In der öffentlichen Wahrnehmung steht der Billiganbieter nicht nur für niedrige Preise, sondern auch für schlechte Arbeitsbedingungen, die Unterdrückung von Betriebsräten und kritischen Berichterstattern und den Verkauf pestizidbelasteter Paprika – allesamt Argumente, die nicht gerade verkaufsfördernd sind. Nachdem der Aldi-Konkurrent aus Neckarsulm zu den Vorwürfen erst schwieg, reagiert er jetzt mit einer Imagekampagne. Zu Jahresbeginn wurde erstmals in der 33-jährigen Firmengeschichte ein Pressesprecher engagiert. Berichten zufolge will Lidl auch einen zweistelligen Euro-Betrag investieren, um die öffentliche Zuneigung mit Anzeigen und TV-Spots zurückzugewinnen. „Es wird verschiedene Aktivitäten geben“, bestätigte Oberle zurückhaltend.

Kritiker wie Verdi-Vertreterin Agnes Schreieder halten die Kampagne für reine Imagepolitur. „Eine Verhaltensänderung kann ich nicht erkennen“, sagte sie. Der Handelsexperte Volker Dölle spricht von einer „Bausteinstrategie“, mit der Lidl versuche, sich als sozial darzustellen und neue Käuferschichten anzulocken. Bei Transfair kann man die Aufregung nicht verstehen. „Wir sind für alle offen“, sagte Sprecherin Claudia Brück. „Unsere Produkte sind hundertprozentig fair gehandelt – aber die Arbeitsbedingungen unserer Abnehmer kontrollieren wir nicht.“

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