Wirtschaft : Discounter Plus droht Abmahnung

Verbraucherschützer: Händler verletzt beim Autoverkauf im Internet seine Informationspflichten

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Berlin (msh). Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) prüft, den Discounter Plus wegen des Verkaufs von Autos per Internet abzumahmen. „Bei dem Angebot ist nicht unmittelbar zu erkennen, wer der Vertragspartner ist“, sagte Kerstin Hoppe, Rechtsexpertin beim VZBV, dem Tagesspiegel. Damit verstoße der Discounter gegen „verbraucherschützende Normen“.

Das Teledienstgesetz sieht vor, dass auf den Webseiten sämtliche Angaben über den Anbieter „leicht erkennbar und unmittelbar erreichbar“ sein müssen. Das ist nach Ansicht der Verbraucherschützer nicht der Fall. Über die Abmahnung wird am Dienstag entschieden. Plus bietet seit Montag aus EULändern reimportierte Wagen an, einen VW Golf und einen Ford Focus für je 17 999 Euro. In den Filialen des Discounters gibt es die Fahrzeuge allerdings nicht zu kaufen. Die Kunden bekommen einen Prospekt in die Hand gedrückt und erfahren dann alles weitere über einer Telefon-Hotline oder im Internet. Abgewickelt wird der Kauf durch Autohäuser bei Magdeburg und Mosbach am Neckar, die als Vertragspartner auftreten. Interessenten bekommen für 24 Stunden kostenfrei einen Mietwagen gestellt, mit dem sie dann zu einem der Autohäuser fahren und den Neuwagen abholen können. Nach Angaben einer Plus-Sprecherin will der Discounter auf diese Weise mehr als 1000 Autos absetzen. Der Preis für die Fahrzeuge liege rund 20 Prozent unter dem Listenpreis. Das ergebe ein Vergleich mit einem Preisrechner der Zeitschrift „Auto-Bild“.

Die Vertragshändler der Autokonzerne scheint die Konkurrenz der Handelsriesen trotz sinkender Verkaufszahlen wenig zu schrecken. Ein großer Berliner Auto-Händler bietet bei Verweis auf das Angebot von Plus ein vergleichbares Modell des VW Golf für 17 850 Euro an.

Der Verkauf von Autos in Supermärkten ist kein Problem mehr, seit die EU-Kommission den Handel mit Neuwagen im vergangenen Jahr neu geregelt hat. Zuvor konnten sich die Hersteller aussuchen, welche Händler ihre Neuwagen vertreiben. Das Angebot von Plus zeigt, dass die gewachsenen Strukturen im Autohandel aufweichen. In der Vergangenheit hatten bereits Einzelhändler wie Edeka und Marktkauf Neuwagen angeboten. Ein Marktkauf-Sprecher sagte, man werde das jederzeit wieder machen, wenn „wir ein gutes Angebot von einem Händler bekommen“.

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