Wirtschaft : Discounter unter Druck

Schlecker schließt Kündigungen nicht mehr aus / 2012 müssen weitere Filialen schließen.

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Festgefahren. Seit drei Jahren schreibt Schlecker rote Zahlen. Im nächsten Jahr will der Drogeriediscounter die Wende schaffen. Foto: dpa
Festgefahren. Seit drei Jahren schreibt Schlecker rote Zahlen. Im nächsten Jahr will der Drogeriediscounter die Wende schaffen....Foto: dpa

Berlin - Angesichts drohender Kündigungen und weiterer Filialschließungen will der Discounter Schlecker mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungs-Tarifvertrag verhandeln. Schlecker habe um eine Vereinbarung für die weitere Restrukturierung gebeten, teilte Verdi am Montag mit. Die Gewerkschaft will aber zunächst die Lage bei Schlecker von einem Wirtschaftsprüfer durchleuchten lassen und fordert Transparenz. „Wir hoffen auf die nötigen Informationen, um einschätzen zu können, wie groß der Handlungsbedarf wirklich ist“, sagte Verdi-Sprecher Christoph Schmitz. Ziel sei es, in Absprache mit den Betriebsräten möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und die Beschäftigungsvereinbarung zu verlängern. „Eine planbare Perspektive für die Beschäftigten hat für uns oberste Priorität“, sagte Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied für den Handel.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass Schlecker Kündigungen nicht mehr ausschließt. Bisher seien zwar keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen worden, hatte Lars Schlecker, Sohn des Firmengründers Anton Schlecker, der „Welt am Sonntag“ gesagt. „Wir können aber nicht garantieren, dass das im nächsten Jahr so bleibt.“ Die schützende Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung bei Schlecker läuft Ende Juni 2012 aus. Zudem wird Schlecker, das mit einem Sparprogramm aus den roten Zahlen kommen will, auch im nächsten Jahr etliche Filialen aufgeben. Das erste Quartal 2012 werde „von Schließungen geprägt sein“, hatte Lars Schlecker der Zeitung gesagt. Verdi rechnet damit, dass 2012 mehrere hundert Filialen zumachen. Bereits in diesem Jahr hat das Unternehmen 800 Läden geschlossen, derzeit gibt es nach Verdi-Angaben bundesweit noch 7000 Schlecker-Geschäfte.

Schlecker gab am Montag auf Anfrage keine Auskunft darüber, wie viele Filialen 2012 schließen könnten. Allein in Berlin gibt es mehr als 300 Geschäfte. Auch wie viele der bundesweit 30 000 Beschäftigten womöglich ihren Job verlieren könnten, ist noch offen. Bislang werden Schlecker-Mitarbeiter nach Schließungen als Springer in anderen Filialen eingesetzt oder befristete Verträge nicht verlängert.

Das Unternehmen erklärte, man brauche einen „aktiven Beitrag“ der Arbeitnehmer für die Restrukturierung. Verdi will zunächst die Ergebnisse der Prüfung abwarten, bevor die Gewerkschaft Zugeständnisse macht. Denkbar wäre zum Beispiel – ähnlich wie damals bei Karstadt – ein Gehaltsverzicht. Zugleich kritisiert Verdi die Informationspolitik von Schlecker. „Manche Filialleiter sind von jetzt auf gleich über die Schließung ihres Geschäfts informiert worden“, sagte Schmitz. Das Unternehmen habe versprochen, das zu verbessern.

Schlecker steckt schon lange in der Krise. Der Discounter, der immer wieder wegen des Umgangs mit Mitarbeitern und maroder Filialen in der Kritik stand, kämpft mit der starken Konkurrenz von Ketten wie dm oder Rossmann. 2010 sank der Umsatz von Schlecker, das seit drei Jahren rote Zahlen schreibt, um 650 Millionen auf 6,55 Milliarden Euro. dm erlöste im vergangenen Geschäftsjahr 6,2 Milliarden Euro und machte einen Gewinn, dessen Höhe aber nicht bekannt ist.

Lars und seine Schwester Meike Schlecker wollen mit ihrem Sparprogramm 2012 wieder schwarze Zahlen schreiben. Im Sommer hatten sie zudem angekündigt, das Image und die Geschäfte von Schlecker aufpolieren zu wollen. 300 Filialen sind nun modernisiert, in diesen Geschäften erziele man ein Umsatzwachstum von acht bis 30 Prozent, teilte Schlecker erst kürzlich mit. 2012 will der Discounter bis zu 1000 weitere Filialen umbauen. Die Modernisierung, für die das Unternehmen 230 Millionen Euro investiert, werde aus eigener Kraft bezahlt, teilte Schlecker mit. Berichte über Finanzschwierigkeiten hatte das Unternehmen wiederholt zurückgewiesen.

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