Discountpreise : Butter war noch nie so billig

Lebensmittel werden immer teurer. Die Discounter halten nun mit einer regelrechten Talfahrt dagegen: Sie senken die Preise für Milch, Butter und andere Milchprodukte bis zu 25 Prozent. Erneut ein herber Rückschlag für die Milchbauern.

Volker Danisch[dpa]
Milch
Discounter verkaufen Milchprodukte zu Schleuderpreisen. -Foto: dpa

Düsseldorf Nachdem viele Lebensmittelpreise im vergangenen Jahr wegen teuerer Rohstoffe nach oben gingen, haben die Discounter in Deutschland jetzt eine große Preissenkungsrunde eingeläutet. Milch bis zu 20 Prozent billiger, Mehl 25 Prozent billiger, Apfelsaft 19 Prozent billiger - mit diesen Preisabschlägen gingen Aldi und die Rewe-Tochter Penny zu Wochenbeginn voran. Der Rotstift wurde unter anderem auch bei Butter, Zucker und Kaffee angesetzt - Preise, die den Verbrauchern besonders ins Auge fallen. Lidl steht dabei nicht abseits. Der Aldi-Rivale gab ebenfalls per Anzeigen Preissenkungen in dieser Größenordnung bekannt.

Markenartikelhersteller unter Druck

Die Discounter geben damit die Richtung im Lebensmittelhandel vor. Die Supermarktketten halten ihre unteren Preislagen mit Billigmarken üblicherweise auf Discounterniveau. Das wird bereits bei Milch und Milchprodukten deutlich. Die großen Lebensmittelhändler von Edeka bis Metro haben hier schon zum Rotstift gegriffen oder wollen das bald tun. "Der Aldi greift zu seinem alten Erfolgsrezept: Wenn die Einkaufspreise sinken, sinken auch die Verkaufspreise", sagt Discount-Experte Matthias Queck vom Marktforschungsunternehmen Planet Retail. Um glaubwürdig zu bleiben, mussten Aldi & Co. nach seinen Angaben jetzt handeln. Das setze auch Supermärkte unter Druck.

"Nach rund drei Jahren preislicher Zurückhaltung ist das erstmals wieder ein deutliches Signal von Aldi und Konsorten, dass auf breiter Front die Preise gesenkt werden", erläutert Queck. Butter ist nach seinen Worten so billig wie noch nie, Kaffee und Zucker so günstig wie lange nicht mehr. Die "Kampfpreise" dürften einen massiven Einschnitt für die Gewinnmargen der Handelsunternehmen bedeuten. Die Preissenkungen dürfte auch die Lebensmittelindustrie zu spüren bekommen. Selbst Markenartikelhersteller könnten unter Druck geraten. Der Abstand ihrer Produkte zu den Billigmarken sollte nicht zu groß werden.

Herber Rückschlag für die Milchbauern

Die Verbraucher müssen sich grundsätzlich auf stärker schwankende Preise einstellen als in der Vergangenheit, hatten der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) und einzelne Konzernchefs in den vergangenen Monaten betont. Bei Milch fuhren die Preise in diesem Jahr bereits mehrfach Achterbahn. Ende April kam es schon einmal zu einem tiefen Preisrutsch um 12 Cent je Liter. Dann ging es mit den Milchpreisen wieder rauf. Nun folgen Preissenkungen von bis zu 13 Cent je Liter Milch. Experten sehen das als herben Rückschlag für die Milchbauern, die mit einem spektakulären Lieferstopp und Protesten erst im Juni bei den Handelsriesen höhere Preise erreicht hatten.

Die Hälfte des Umsatzes geht an Discounter

Die Discounter werden von Finanzkrise und der Konjunkturabkühlung profitieren, meint Tengelmann. "Discount ist noch wertvoller geworden", sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kürzlich. Das Familienunternehmen wird am neuen Discountriesen Netto/Plus beteiligt sein, der Anfang 2009 an den Start gehen soll und mehrheitlich der Edeka gehören wird. Auch die Rewe hat kräftige Wachstumspläne für ihre Discounttochter Penny.

Queck geht davon aus, dass die Discounter in Zukunft etwa die Hälfte des Umsatzkuchens im deutschen Lebensmittelhandel vereinnahmen könnten. Derzeit liege der Umsatzanteil im Lebensmittelbereich bereits bei mehr als 40 Prozent. Die massiven Preissenkungen bei vielen Produkten im Discount sind aber keine Einbahnstraße. Erst kürzlich habe es auch Preiserhöhungen insbesondere bei Tomatensaft und Tomatenmark geben, beobachtete Queck.

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