Wirtschaft : Disney-Aktionäre misstrauen Michael Eisner

Konzernchef verliert Vorsitz im Verwaltungsrat

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New York (pf). Nach dem massiven Misstrauensvotum der WaltDisney-Aktionäre vom Mittwoch gegen Unternehmenschef Michael Eisner hat er den Vorsitz im Verwaltungsrat abgeben müssen. Zum Nachfolger ernannte Disney das Verwaltungsratsmitglied George Mitchell, einen früheren Senator. Eisner stand seit 20 Jahren an der Disney-Spitze und bleibt weiterhin Konzernchef. Mit der Trennung der Ämter hofft Disney, die wegen des schwachen Aktienkurses verärgerten Investoren zu beschwichtigen.

Anstatt jedoch seine Unabhängigkeit unter Beweis zu stellen, hat das Gremium einen treuen Weggenossen des umstrittenen Konzernchefs zu seinem Vorsitzenden berufen. Dies könnte bei Analysten und Investoren erneut Kritik auslösen und den Druck auf Eisner erhöhen, vorzeitig zurückzutreten. Sein Anstellungsvertrag läuft bis 2006. Zuvor hatten auf der Hauptversammlung in Philadelphia etwa 43 Prozent der insgesamt 2,1 Milliarden ausstehenden Disney-Aktien gegen Eisners Wiederwahl gestimmt. Es handelt sich überwiegend um institutionelle Investoren wie die kalifornische Pensionskasse für staatliche Bedienstete (Calpers) und 13 andere Pensionskassen.

Der Kabelfernsehbetreiber Comcast Corp glaubt, die Chancen seines feindlichen Übernahmeangebots für Disney im Wert von 54 Milliarden Dollar seien mit der Absage an Eisner gestiegen. Comcast wollte noch am Donnerstag mit den unabhängigen Mitgliedern des Disney-Verwaltungsrates über das Angebot reden. Der Kabelkonzern ist bereits Disney-Aktionär, seit er Mitte Januar stillschweigend Disney-Papiere gekauft hatte. Der Besitz einer einzigen Aktie genügt, um an einer Hauptversammlung teilnehmen zu können.

Vorerst dürfte Eisner Chef bleiben. Mit Mitchell an seiner Seite hat ihm der Verwaltungsrat sogar den Rücken gestärkt. Denn auf der mit Spannung erwarteten Versammlung gab es keinen Gegenkandidaten. Experten meinten jedoch, die hohe Stimmenzahl gegen Eisner müsse persönliche Konsequenzen auf der Chefetage und im Verwaltungsrat nach sich ziehen. Der 61 Jahre alte Manager, der Disney und seine 112,000 Mitarbeiter seit 20 Jahren lenkt, war bis Mittwoch in Personalunion Konzernchef (CEO) und Vorsitzender des Verwaltungsrates (Board) gewesen. Die Trennung der Ämter hatten Calpers und anderen Investoren gefordert.

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