DIVERSITY 2012 : Mit gutem Beispiel voran

Wie der Staat als Arbeitgeber Vielfalt fördern kann.

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Ziele setzen. Berlins Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Ziele setzen. Berlins Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Hautfarbe, das Kopftuch, die Sprache – wer in Deutschland erkennbar nicht zur Mehrheit gehört, hat es schwerer, einen Job zu bekommen. Das gilt offenbar nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern auch bei Behörden und Ämtern. „Wenn man sichtbare Minderheit ist, bekommt man keinen Zugang zum öffentlichen Dienst“, sagte am Freitag Gari Pavkovic, Leiter der Stabstelle für Integrationspolitik der Stadt Stuttgart, auf der DIVERSITY-Konferenz. Ein Satz, der wohl als Provokation gemeint war. Denn etwa 20 Prozent der städtischen Beschäftigten in Stuttgart haben einen Migrationshintergrund, wie Pavkovic hinzufügte. Doch auf der Karriereleiter ist schnell Schluss: „Auf der Führungsebene liegt der Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergund im Promillebereich“, sagte der Integrationsbeauftragte der Landeshauptstadt.

Kann der Staat etwas dagegen tun? Als Arbeitgeber, der sich um eine größere Vielfalt in seinem öffentlichen Dienst bemüht, kann er zumindest selbst die Eintrittsbarrieren senken. Zwar schreibt der Gesetzgeber bei der Einstellung neuer Mitarbeiter Gleichbehandlung vor. Häufig scheitern geeignete Bewerber aber schon, weil ihre Abschlüsse aus dem Ausland nicht anerkannt werden oder weil die Einstellungstests auf deutsche Bewerber zugeschnitten sind. „Wir müssen früher ansetzen“, sagte die Berliner Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers. Bereits in der Schule etwa müsse es – mit Blick auf das spätere Berufsleben – eine gewisse Ungleichbehandlung zu Gunsten Benachteiligter geben. So könnten die Guten und Begabten auch die hohen Einstellungsbarrieren überspringen.

Damit sich in der jeweiligen Organisation, sei es eine Behörde oder ein Unternehmen, dann Aufstiegschancen eröffnen, müssen nicht zuletzt die Vorgesetzten ran. Margarete Koppers hat mit ihren Abteilungsleitern Zielvereinbarungen abgeschlossen, um Frauen in Führungspositionen zu helfen. „Unternehmen brauchen einen Wertekanon, der auch gelebt wird“, sagte Kirsten Schäfer, Mitglied im Diversity Council der Deutschen Bank. Ulf Schäfer Programmdirektor der Berliner Business-School ESMT brachte es auf einen einfachen Punkt. „Wir müssen gute Beispiele geben, Vorbilder schaffen.“ Henrik Mortsiefer

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