Wirtschaft : Dividendenstarke Titel als Netz für abstürzende Kurse

PETER HEIN

Für viele Anleger ist er zunächst einmal ausgeträumt: der Traum vom schnellen und sicheren Gewinn an der Börse.Die Krise an den internationalen Finanzmärkten hat einmal mehr bestätigt, daß Aktien eben doch Risikopapiere sind.Renten hingegen gelten demgegenüber als vermeintlich sichere Anlageform - zumindest wenn sie von Schuldner erster Bonität stammen.Dabei lassen selbst Anlageprofis mitunter außer acht, daß es auch bei Aktien eine Art Sicherheitsnetz gibt, das sie vor einem ungehemmten Kursverfall schützt: die Dividende.Gemeinhin gilt die jährliche Gewinnausschüttung nur als Dreingabe.Gewinne von zehn oder zwanzig Prozent in einem Jahr, wie sie bei der Aktienanlage üblicherweise angepeilt werden, lassen sich aber durch Kurssteigerungen erzielen.Abseits der Standardwerte aus dem Dax gibt es aber eine Reihe von Aktien, bei denen das Verhältnis von aktuellem Kurs und zuletzt gezahlter Dividende eine Verzinsung ergibt, die die Renditen festverzinslicher Wertpapiere locker übertrumpft.

Der Gerüstbauer Plettac zum Beispiel hat für das Geschäftsjahr 1997 eine Barausschüttung von 11 DM pro Aktie vorgenommen.Dazu kam eine Körperschaftsteuergutschrift von drei Siebteln der Bardividende - entspricht einem Betrag von 4,71 DM.Anleger mit einem gültigen Freistellungsauftrag sind dabei fein raus, denn sie erhalten die Gesamtsumme von 15,71 DM in bar.Bei einem Kurs von zur Zeit 141 DM entspricht das einer Rendite von fast neun Prozent.Zehnjährige Bundesanleihen bringen zur Zeit nicht mehr als vier Prozent ein.Einziger Schönheitsfehler: Ob die Dividende für das laufende Geschäftsjahr genauso hoch ausfällt, steht in den Sternen.

Ein zweites Beispiel ist die FBP Holding.Sie schüttet seit Jahren die gleiche Dividende aus: 17,50 DM plus 7,50 DM Steuergutschrift.Bei einem Börsenkurs von zur Zeit 320 DM ergibt sich daraus eine Rendite von rund 7,8 Prozent.Leisten kann sich das in der Papierverarbeitung tätige Unternehmen diese Ausschüttung nicht, denn die Geschäfte laufen schlechter als es die üppige Dividende vermuten läßt.Glück für die Aktionäre: Der schwedische Stora-Konzern, dem 98 Prozent der Aktien gehören, hat vor Jahren den freien Aktionären ein Übernahmeangebot von 305 DM gemacht.Und das kann dauern, denn über die Höhe des Abfindungspreises streiten sich Groß- und Kleinaktionäre vor Gericht.Kleinaktionäre erhalten bis auf weiteres die 25 DM als Garantiedividende - es sei denn, die schwedische Mutter gerät in finanzielle Schwierigkeiten.

Auch für Anleger, die auf Dax-Titel statt auf Nebenwerte setzen, lohnt es sich, auf die Dividenderendite zu schauen.Mit Hilfe dieser Kennzahl läßt sich ein Depot zusammenstellen, das zumindest in der Vergangenheit den Dax abhängen konnte.Das Prinzip ist simpel: Der Anleger kauft die zwölf Dax-Papiere, die die höchste Dividendenrendite haben - jede Aktie zu gleichen Teilen.Nach einem halben oder ganzen Jahr überprüft er die Zusammensetzung und nimmt erneut die zwölf Dax-Titel in das Depot, die zu diesem Zeitpunkt die höchste Dividenrendite vorweisen.Zwischenzeitlich gezahlte Dividenden werden wieder angelegt.Nach Angaben des Brokerhauses Merrill Lynch, das diese Strategie entwickelt hat, schnitt dieser Top-Twelve-Index in den letzten zehn Jahren stets besser als der Dax ab.Jetzt im Crash hat das Zwölfer-Depot zwar auch verloren, aber nicht so stark wie der Index.Während der Dax seit Mitte August fast 30 Prozent abgab, hat der Top-Twelve-Index "nur" rund 26 Prozent verloren.

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