Wirtschaft : DIW dämpft Bonner Wachstumsprognose

2,5 Prozent illusorisch / Inlandsnachfrage kommt nicht in Schwung

BERLIN (hej/dpa).Das von der Bundesregierung für 1997 angepeilte Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent wird nach Meinung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kaum zu erreichen sein.Die für das letzte Jahresviertel erwarteten Wachstumsraten seien dazu zu niedrig, heißt es im jüngsten Wochenbericht des Berliner Instituts.Für das 4.Quartal erwartet das DIW eine Zunahme des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) gegenüber dem Vorquartal von 0,5 Prozent und gegenüber dem Vorjahresquartal von 2,3 Prozent."Um für 1997 noch ein gesamtwirtschaftliches Jahresergebnis von 2,5 Prozent zu erreichen, müßten allerdings die Wachstumsraten mit 1,5 Prozent (Vorquartal) und 3,5 Prozent (Vorjahresquartal) deutlich höher ausfallen", heißt es.Mit seinen Erwartungen liegt das DIW auch unter der Gemeinschaftsprognose des Herbstgutachtens von 2,4 Prozent.Nach Einschätzung der Berliner Wirtschaftsforscher läßt die weiter schwache Inlandsnachfrage keine optimistischere Wachstumsprognose zu.Wegen der prekären Lage auf dem Arbeitsmarkt sei auch in den kommenden Monaten nicht mit einer nennenswerten Zunahme beim privaten Verbrauch zu rechnen.Bei den Bauinvestitionen dürfte sich der Abwärtstrend fortsetzen, vermuten die Ökonomen.Die Auftragseingänge liegen sowohl im Westen als auch im Osten heute um ein Fünftel unter ihrem Höchststand aus dem Jahre 1994.Auch bei der Industrie fehle es an Aufträgen aus dem Inland.Die gesamtwirtschaftliche Produktion werde weiterhin vor allem vom Export getragen.Dagegen habe sich die inländische Nachfrage nach Investitionsgütern nur wenig erhöht.Zwar steige die Kapazitätsauslastung der Unternehmen kontinuierlich, doch sei offensichtlich das Vertrauen in die Dauerhaftigkeit des exportgestützten Aufschwungs nicht groß.Das verarbeitende Gewerbe werde aber nur bei einer nachhaltigen Belebung der Inlandsnachfrage seine Investitionsplanung nach oben korrigieren. Sollte es tatsächlich mehr Aufträge aus dem Inland geben, könnten aber in einigen Branchen wegen Kapazitätsengpässen Lieferschwierigkeiten entstehen.Dadurch seien dann durchaus Erweiterungsinvestitionen denkbar.Wegen der hohen Wettbewerbsfähigkeit könne das verarbeitenden Gewerbe weiter mit guten Auslandsaufträgen rechnen, prognostiziert das DIW. Im Investitionsgüterbereich gebe es seit 18 Monaten eine gespaltene konjunkturelle Entwicklung, heißt es.Die Situation im 3.Quartal sei von einer weiter stark steigenden Auslandsnachfrage von 4,5 Prozent (Vorquartal: 5,5 Prozent) und einer geringfügigen Nachfragesteigerung von plus einem Prozent (Vorquartal: minus 2,5 Prozent) inländischer Investoren nach deutschen Investitionsgütern geprägt.Anbieter von Gebrauchsgütern hätten im 3.Quartal ebenfalls von Auslandsordern profitiert.

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