Wirtschaft : DIW: Lokführer verdienen relativ gut

Studie vergleicht Löhne bei der Bahn mit weiteren Branchen / Konzern verlangt neue Verhandlungen

Berlin - Die Lokführer der Deutschen Bahn stehen mit ihrem Gehalt vergleichsweise gut da. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Studie, die von der Bahn in Auftrag gegeben wurde. Nur die Autoindustrie, das Verlagsgewerbe und die Energiebranche bezahlten ihre Facharbeiter besser, schreiben die DIW-Forscher. Dagegen verdienten Lkw-Fahrer meist spürbar weniger – und müssten deutlich länger arbeiten.

Die Lokführergewerkschaft GDL verlangt von der Bahn, die Löhne um etwa 31 Prozent anzuheben. Außerdem sollen die Aufstiegsmöglichkeiten verbessert und das Ergebnis der Tarifverhandlungen in einem eigenständigen Vertrag festgehalten werden. Die Bahn lehnt einen eigenständigen Tarifvertrag aber ab, weil sie eine Spaltung der Belegschaft befürchtet.

Um den Druck auf den Konzern noch einmal zu erhöhen, hält die GDL an den für den heutigen Donnerstag angekündigten Streiks im Regionalverkehr der Bahn fest. „Dabei bleibt es“, sagte eine Gewerkschaftssprecherin. Der Ausstand solle bis Freitagmorgen, acht Uhr, gehen. Die Bahn hat einen Notfahrplan vorbereitet, dessen Details im Internet (http://www.bahn.de/aktuell) und über die kostenlose Nummer 08000-996633 abgerufen werden können. Das Personal an den Telefonen sei auf 2000 Leute aufgestockt worden, erklärte die Bahn.

„Wir wollen so regelmäßig fahren, wie es geht“, sagte Personenverkehrs-Vorstand Karl-Friedrich Rausch. Allerdings werde es starke regionale Unterschiede geben – in Westdeutschland könnten bis zu 80 Prozent der Züge fahren, im Osten teilweise nur 20 Prozent.

Margret Suckale, Personalvorstand der Bahn, forderte die GDL erneut zu Verhandlungen auf. Sie reagierte damit auf ein Interview, das Gewerkschaftschef Manfred Schell der Wochenzeitung „Die Zeit“ gegeben hatte. Darin hatte er angedeutet, dass die GDL der Bahn bei der Frage der Lohnerhöhung entgegen kommen könnte. So sei es denkbar, die Anhebung über mehrere Jahre in einzelnen Schritten durchzuführen. Er sei bereit, seine Kur am Bodensee abzubrechen, sobald die Bahn der GDL ein verhandlungsfähiges Angebot mache. Grundforderung bleibe der eigenständige Tarifvertrag. Am Donnerstag wies er deshalb die Aufforderung Suckales zurück. Bisher habe es kein neues Angebot gegeben.

Nach Konzernangaben kommt ein Lokführer bei der Bahn im Jahr brutto auf 31 000 bis 33 000 Euro. Die Summe liege damit über dem durchschnittlichen Wert in der Gesamtwirtschaft von 26 681 Euro, schreibt das DIW. Auf die Arbeitszeit umgerechnet zahle die Bahn ihren Lokführern 19,60 Euro je Stunde (junge, relativ unerfahrene Kraft ohne Kinder) und 21,77 Euro (erfahrener, verheirateter Lokführer mit einem Kind). Damit liegt der Konzern zwar unter dem Schnitt im verarbeitenden Gewerbe (25,15 Euro), aber über dem Wert der vergleichbaren Branche Verkehr und Nachrichtenübermittlung von 17,37 Euro. In Deutschland gebe es nur zwei Bahn-Wettbewerber, die mehr zahlten als der Konzern.

Langsam schwindet die Unterstützung bei den Bürgern für die Lokführer. Nur noch 45 Prozent unterstützten die Forderungen, ergab eine Umfrage im Auftrag des „Stern“, 50 Prozent halten sie für falsch. Anfang Oktober hatten noch 55 Prozent Sympathie geäußert. hop/brö

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