DIW : Rürup greift durch

DIW-Präsident Klaus Zimmermann tritt ab. Der Kuratoriumsvorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Bert Rürup, sucht jetzt eine neue Führung.

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Der Hochschullehrer Bert Rürup hat sich durchgesetzt. Erst im März vergangenen Jahres ins DIW-Kuratorium berufen, baut er jetzt die Führung um.
Der Hochschullehrer Bert Rürup hat sich durchgesetzt. Erst im März vergangenen Jahres ins DIW-Kuratorium berufen, baut er jetzt...Foto: ddp

Berlin - Die Reaktion im Institut sagte alles. „Aufatmen und Erleichterung“, beschrieb ein DIW-Mitarbeiter am Dienstag die Stimmung. „Und es ist wie immer, wenn Diktaturen zu Ende gehen – es gibt eine gewisse Unsicherheit über das, was kommt.“ Kurz zuvor hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung eine Mitteilung unter dieser Überschrift veröffentlicht: „DIW-Präsident Klaus Zimmermann stellt sein Amt zur Verfügung“. Bereits Ende der vergangenen Woche hatte Bert Rürup, der Kuratoriumsvorsitzende des DIW, Zimmermann so weit. Doch dann zog sich die Abstimmung der Presseerklärung mit den beiden Geldgebern des Instituts, der Berliner Senatsverwaltung für Bildung und Wissenschaft und dem Bundesbildungsministerium, hin.

Dienstagmorgen konnte Rürup aber dann Vollzug melden: Zimmermann ist spätestens Mitte des Jahres weg. Wann genau, ist offen. Doch allzu häufig dürfte der 58-jährige Ökonom, dessen Vertrag eigentlich noch gut dreieinhalb Jahre läuft, nicht mehr in der Berliner Mohrenstraße, dem Sitz des DIW, gesichtet werden. „Über die erforderliche Interimsleitung und die Nachfolge wird in aller Besonnenheit vom Kuratorium entschieden“, teilte Rürup mit. Für die Interimslösung auf dem Präsidentenstuhl ist Gert Wagner im Gespräch, als neue Geschäftsführerin wird die Münchener Managerin Anita Linseisen gehandelt.

Zu welchen Konditionen Zimmermann ausscheidet, ist dem Vernehmen nach noch nicht verhandelt. Sein Gehalt beim DIW liegt bei gut 120 000 Euro im Jahr.

Zimmermann war nicht mehr zu halten, weil neben der nicht korrekten Verwendung öffentlicher Mittel die Führungsfähigkeiten des seit Jahren umstrittenen Präsidenten im Kuratorium zunehmend Verzweiflung auslösten. Der erst vor wenigen Monaten von Rürup als DIW-Geschäftsführer eingesetzte Hanns Seidler hatte Anfang des Jahres entnervt den Job geschmissen.

In der Pressemitteilung über den Abgang Zimmermanns wird dessen Leistung während der vergangenen elf Jahre an der DIW-Spitze gewürdigt. Er habe das Institut „erfolgreich reformiert und wissenschaftlich gestärkt“. Der Rückzug erfolge nun auf Wunsch Zimmermanns, teilte Rürup mit. Damit solle „das Ziel einer angemessenen Wahrnehmung des DIW Berlin in der Öffentlichkeit“ erreicht werden, nachdem es zuletzt „oft verzerrte und überzogene Kritik“ gegeben habe. Zimmermann selbst äußerte sich am Dienstag nicht.

Die neue Führung wird das Institut behutsam neu aufstellen müssen, um die abhandengekommene Beratungskompetenz zurückzugewinnen und dabei insbesondere die Konjunkturabteilung zu stärken. Ferner dürften Entscheidungen Zimmermanns, die vom Berliner Rechnungshof kritisiert worden waren, korrigiert werden. Die teure Dependance des DIW in Washington etwa steht nun zur Disposition. Rürup wird in den kommenden Monaten eine langfristige Lösung für die DIW-Spitze suchen. Zum Vorstand des Instituts gehören neben Präsident und Geschäftsführer auch der Vizepräsident. Nur diese Position ist derzeit besetzt mit dem Zimmermann-Vertrauten Alexander Kritikos.

Als vor rund zwölf Jahren das letzte Mal ein DIW-Präsident gesucht wurde, standen unter anderem die Namen der Professoren Axel Börsch-Supan (Mannheim), Gert Wagner (damals Frankfurt an der Oder) und Michael Burda (Humboldt-Uni) zur Debatte. Wagner schied aus, weil die Vertreter Berlins damals bei ihm eine „breite makroökonomische Basis“ vermissten. Am Ende entschied sich die damalige Berufungskommission für ein Mitglied aus ihren Reihen - eben Klaus Zimmermann.

Womöglich wiederholt sich die Geschichte: Wenn Rürup keinen Präsidenten findet, muss er wohl selbst ran. Das komme überhaupt nicht infrage, heißt es dazu im Umfeld des 67-jährigen Ökonomen. Das hatte Zimmermann damals auch gesagt.

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