Wirtschaft : DIW und Banken rechnen mit verhaltenem Wachstum

KÖLN (rtr).Die neuen politischen Verhältnisse in Deutschland werden für das Wirtschaftswachstum nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kurzfristig nichts grundlegend ändern."Die Abschwächung der Konjunktur ist schon länger Tatsache", sagte DIW-Konjukturexperten Heiner Flassbeck am Montag in Berlin.Als Gegenmaßnahme habe das DIW schon vor längerer Zeit Zinssenkungen gefordert.

Der europäische und deutsche Binnenmarkt müsse gekräftigt werden."Hier muß an mehreren Fronten etwas getan werden, um Binnennachfrage zu stärken", sagte Flassbeck.Dies bedeute aus Sicht des DIW weiterhin eine Rückkehr zu einer produktivitätsorientierten Lohnpolitik.Dies sei auch nötig, um bei der europäischen Währungsunion mögliche Störfaktoren zu beseitigen.Unverändert erwartet das DIW ein deutlich schwächeres Wachstum im nächsten Jahr und geht von einem realen Zuwachs von zwei Prozent aus.Für 1998 rechnet das DIW mit einem Plus von 2,5 Prozent.Daran habe sich nichts geändert.Die Abschwächungstendenzen seien weiter unverkennbar.Beide Konjunkturerwartungen des DIW liegen deutlich unter den Prognosen der abgewählten Koalition.

Nach Einschätzung der deutschen Banken wird die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr ungeachtet der Finanzkrisen in Asien und Rußland weiter wachsen.Für 1998 hält der Verband ein reales Wirtschaftswachstum von 2,5 bis 2,75 Prozent nach wie vor für realistisch, erklärte der Bundesverband Deutscher Banken (BDB) am Montag in Köln.Zwar dürften die Exporte, die im ersten Halbjahr 1998 um 8,5 Prozent gewachsen waren, weiter an Schwung verlieren.Diese würde aber durch die langsame Belebung des privaten Verbrauchs kompensiert.Außerdem dürfte sich die Expansion der Ausrüstungsinvestitionen fortsetzen.

Die Ausrüstungsinvestitionen seien im ersten Halbjahr 1998 mit einer Wachstumsrate von 8,7 Prozent so stark gestiegen wie seit 1991 nicht mehr, hieß es weiter.Im zweiten Halbjahr sei mit einem ähnlichen Plus zu rechnen.Pessimistischer äußerte sich der Verband zur Weltkonjuktur.Ihre Abkühlung werde angesichts der tiefen Rezession in Japan und der Wirtschaftskrisen in Rußland und den asiatischen Schwellenländern voraussichtlich stärker ausfallen als noch vor einigen Monaten erwartet.Anstatt des im Frühsommer prognostizierten Zuwachses von 2,75 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts dürfte jetzt nur noch ein Plus von etwa zwei Prozent erreichbar sein, hieß es.1997 dagegen sei die Weltwirtschaft noch um rund 3,5 Prozent gewachsen.

Die Gefahr einer weltweiten Rezession bestehe aus heutiger Sicht aber dennoch nicht.Die Wirtschaft in den USA sei mit einem großen Handlungsspielraum der Geld- und Finanzpolitik in einer guten Verfassung.Die Konjunktur in den künftigen Euro-Staaten befinde sich in einer vielversprechenden Aufschwungphase, erklärte der BDB.Dabei habe die Währungsunion bereits ihre erste Bewährungsprobe bestanden.Die Wechselkurse zwischen den künftigen Euro-Staaten seien von den Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten nicht beeinträchtigt worden.Die Märkte hätten den Euro-Raum offensichtlich als Stabilitätszone akzeptiert.

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