Wirtschaft : DIW will nach Berlin-Mitte umziehen

Sitz des Forschungsinstituts in Dahlem angeblich in desolatem Zustand

Alfons Frese

Berlin - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwägt einen Umzug von Berlin-Dahlem nach Mitte. Wie die Geschäftsführerin des Instituts, Susanne Maria Schmidt, auf Anfrage bestätigte, wird sich das DIW-Kuratorium in seiner Sitzung am 16. November mit den Umzugsplänen befassen. Alternativ dazu würden die Renovierung des Instituts in der Königin-Luise-Straße sowie Abriss und Neubau geprüft. In Institutskreisen heißt es allerdings, dass DIW-Präsident Klaus Zimmermann einen Umzug nach Mitte befürwortet, um das Institut in der Nähe des politischen Geschehens zu platzieren. Dem Vernehmen nach sind Objekte in der Tauben-, Mohren- und Reinhardtstraße in der engeren Wahl, das Grundstück in Dahlem stünde dann zum Verkauf.

Dass mit einem Umzug auch strukturelle und personelle Veränderungen zusammenhängen könnten, wie in Institutskreisen spekuliert wird, dementierte Geschäftsführerin Schmidt. Die Institutsleitung wolle unabhängig vom Standort das DIW „stärker internationalisieren“, sagte Schmidt. „Wir wollen eine Top-Institution in der internationalen wirtschaftspolitischen Debatte sein.“ Dazu sollen unter anderem Büros in Brüssel und Washington eröffnet werden. Schmidt zufolge beschäftigt das DIW derzeit 225 Personen, einen Großteil davon in Teilzeit. Das Jahresbudget von rund 18 Millionen Euro wird gut zur Hälfte von Bund und Land Berlin erbracht, die andere Hälfte erwirtschaftet das DIW – etwa über Auftragsgutachten – selbst. In Dahlem sitzt das Institut in einem eigenen Gebäude, für das in diesem Jahr die letzte Hypothekenrate gezahlt wird. Geschäftsführerin Schmidt zufolge befindet sich das Gebäude in einem desolaten Zustand. Wie es heißt, veranschlagt der Vorstand Sanierungskosten von 1,2 Millionen Euro, was Gegner der Umzugspläne als deutlich zu hoch kritisieren. Überhaupt sei die Finanzierungsfrage offen, heißt es bei DIW-Mitarbeitern, die nicht genannt werden möchten. Denn der erwartete Verkaufserlös für das Grundstück in Höhe von drei Millionen Euro werde durch die Miete für das neue Domizil in Mitte, im Gespräch ist gut eine Million Euro pro Jahr, schnell aufgezehrt.

Wie das Kuratorium zu den Vorstandsplänen steht, ist nicht bekannt. Der Kuratoriumsvorsitzende und Schering-Vorstand Günter Stock ließ auf Anfrage ausrichten, es handle sich um Institutsangelegenheiten, zu denen er sich nicht äußere. Andere Kuratoriumsmitglieder wussten noch nichts von den Umzugsabsichten. Der DIW-Betriebsratsvorsitzende Hartmut Kuhfeld wollte sich auch nicht aus der Deckung wagen: „Ich sage dazu überhaupt nichts.“

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