Wirtschaft : DIW rechnet mit neuem Aufschwung

Institut erwartet 2,4 Prozent Wachstum für 2013 – auch in Berlin geht es bergauf.

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Berlin - Deutschland steht nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vor einer Rückkehr zu kräftigem Wachstum. Nach einem eher verhaltenen Plus von einem Prozent in diesem Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt 2013 wieder um 2,4 Prozent zulegen, heißt es in der neuen Prognose der Berliner Forscher. Die wesentliche Antriebskraft sei die Nachfrage aus dem Inland, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner am Mittwoch in Berlin. „Wegen des guten Arbeitsmarkts werden die Löhne kräftig steigen und so den privaten Konsum deutlich antreiben.“ Auch in den unteren Lohngruppen werde der Aufschwung ankommen.

Zuletzt hatte das Institut  für 2012 nur ein Plus von 0,6 Prozent angenommen. Die Konjunkturkrise in diesem Winter ist aber weniger schlimm ausgefallen als befürchtet, eine Rezession mit zwei Minusquartalen in Folge wird es wohl nicht geben. Das liegt auch daran, dass die Finanzkrise vorerst eingedämmt werden konnte. „Die Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise auf die deutsche Wirtschaft bleiben begrenzt“, sagte Fichtner.

Gleichwohl schwächt die Krise vor allem die Nachfrage nach deutschen Exportgütern – viele Industrieländer hätten einen nur geringen Spielraum, schreiben die Forscher in der Studie. Auch die hohen Energiepreise bremsten die Dynamik. Spätestens für das kommende Jahr rechnen die DIW-Leute allerdings damit, dass die Exportnachfrage in Schwung kommt und dies die starke Binnenwirtschaft flankiert.

Für den Arbeitsmarkt erwartet das DIW auch weiterhin eine gute Entwicklung. Sogar in der jüngsten Flaute hätten die Firmen neue Leute eingestellt, wunderte sich Fichtner. In diesem Jahr werde die Arbeitslosenquote im Landesdurchschnitt bei 7,0 Prozent liegen, im kommenden sogar nur noch bei 6,7 Prozent. Das bedeutet, dass die Gesamtzahl der Arbeitsplätze zwischen 2011 und 2013 um 260 000 steigen wird, wenn die Ökonomen des Instituts recht behalten.

Untermauert wurde die DIW-Prognose durch Zahlen von der Industrie – die Unternehmen verzeichneten im Februar 0,3 Prozent mehr Aufträge als im Januar, wie das Bundeswirtschaftsministerium erklärte. Im Januar waren die Bestellungen noch um 1,8 Prozent gesunken.

Der Berliner Senat rechnet damit, dass sich die Wirtschaft in der Hauptstadt im gleichen Tempo entwickeln wird wie im gesamten Land. „Aus heutiger Sicht erwarte ich ein Wachstum von etwa einem Prozent“, sagte Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos). In den vergangenen beiden Jahren war Berlin gegenüber dem Bund zurückgeblieben, weil die Wirtschaft der Stadt weniger exportlastig ist. Industrie, Bau und Dienstleistungsgewerbe würden weiter zulegen, heißt es im neuen Konjunkturbericht der Wirtschaftssenatorin. Sie hoffe, dass das Wachstum auch zu einem Anstieg bei der Erwerbstätigkeit führen wird – und zwar um 17 000 auf dann 1,723 Millionen. Trotz zuletzt etwas besserer Zahlen gibt es derzeit deutschlandweit nur in Mecklenburg-Vorpommern mehr Arbeitslose als in Berlin. Carsten Brönstrup

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