DLD-Konferenz : Konzerne suchen das nächste Facebook

Bei der Konferenz DLD in München treffen Großkonzerne auf Gründer. Und alle hoffen auf den großen Coup.

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Sicherheitsdebatte. Telekom-Chef René Obermann diskutierte zusammen mit einem Ex-Hacker über Datenangriffe auf Smartphones.
Sicherheitsdebatte. Telekom-Chef René Obermann diskutierte zusammen mit einem Ex-Hacker über Datenangriffe auf Smartphones.Foto: dpa

München - Wer darauf wetten will, was das nächste große Ding im Internet wird, sollte vielleicht ein paar Euro auf Rap Genius setzen. Jedenfalls glaubt Ben Horowitz an den Erfolg des Netzwerks, das drei Studenten der Yale Universität gegründet haben. Rap Genius startete als eine Art Wikipedia für Rap-Musik. Heute ist es eine Plattform, auf der über jegliche Art von Texten diskutiert wird: von Rap-Songs bis zur Antrittsrede Barack Obamas zu seiner zweiten Amtszeit, von Shakespeare-Gedichten bis zur Bibel.

Ben Horowitz hat jedenfalls bei seinen bisherigen Investments viel Geschick bewiesen: Seine Risikokapitalgesellschaft Andreesen Horowitz hat unter anderem bei den Börsengängen von Groupon und Zynga, beim Verkauf von Instagram an Facebook und an der Übernahme von Skype durch Microsoft mitverdient. 2355 Anfragen habe es im vergangenen Jahr gegeben, sagt Horowitz, und nur in 24 Unternehmen habe er investiert, unter anderem in Rap Genius.

Bevor ab Mittwoch Politiker und Manager zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos zusammenkommen, treffen sich die Vordenker und Gestalter des Internets für drei Tage in München zur Digital Life Design, kurz DLD. Auf der Konferenz von Hubert Burda Medien diskutieren mehr als 100 Unternehmer, Wissenschaftler, Politiker und Künstler aus der ganzen Welt unter dem Motto „Patterns that Connect“ – Muster, die verbinden. Auf dem Programm steht der Facebook-Investor Peter Thiel ebenso wie Islands Präsident Olafur Ragnar Grimsson, die Bergsteigerlegende Reinhold Messner oder Social-Media-Experte Alec Ross, Innovationsberater von US-Außenministerin Hillary Clinton. Ross hält zwar die These, der Arabische Frühling sei ohne soziale Netzwerke nicht möglich gewesen, für übertrieben, Facebook und Twitter hätten die Ereignisse aber beschleunigt. Und Ross verrät, was den Amerikanern für künftige Revolutionen zur Verfügung steht: Internet aus dem Koffer etwa, falls Regime ihr Land vom Netz abkoppeln, oder die Paniktaste auf Smartphones für Menschen, die in Gefahr sind, festgesetzt zu werden, damit sie alle Adressen und Nachrichten von ihren Telefonen löschen können.

Hauptthemen der DLD, zu der mehr als 800 Teilnehmer erwartet werden, sind der elektronische Handel, mobiles Bezahlen, digitale Sicherheit und Datenschutz sowie die Zukunft von Unterhaltung, Bildung und Gesellschaft im Internetzeitalter. Gern erinnern die Macher an den Besuch von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im Jahr 2009. Das Netzwerk hatte damals schon ein paar Millionen Mitglieder. Heute sind es mehr als eine Milliarde.

Ben Horowitz hat eine Parallele entdeckt: Viele erfolgreiche Gründer wie Zuckerberg, Steve Jobs von Apple, Larry Ellison von Oracle oder Bill Gates von Microsoft haben keinen Universitätsabschluss. „Wir suchen also nach brillanten College-Abbrechern mit Mut und durchschlagenden Ideen.“ Rap Genius, so glaubt Horowitz jedenfalls, werde den Sprachunterricht an Schulen verändern und die Art, wie Texte in Zukunft interpretiert werden. Wie Rap Genius damit Geld verdienen will? „Wann immer sie Hunderte von Millionen Menschen dazu bringen, sich intensiv auf einer Plattform zu engagieren, werden Sie auch einen Weg finden, damit Geld zu verdienen“, ist Horowitz überzeugt.

Von den Ideen junger Gründer wollen auch große Konzerne wie etwa Deutsche Telekom profitieren. So kommt es, dass hier der ehemalige Hacker John Hering und Telekom-Chef René Obermann über ihre Zusammenarbeit in Sachen Sicherheit auf dem Smartphone berichten. Partner wie Herings Firma Lookout bringen der Telekom Innovation und Schnelligkeit, Lookout oder der Berliner Musikdienst Spotify wiederum könnten von der großen Kundenbasis der Telekom profitieren, um schneller zu wachsen. „Wir streben Partnerschaften auf Augenhöhe an“, verspricht Obermann. Womöglich baut er vor: Denn er hat ja bereits angekündigt, dass er die Telekom im Herbst verlässt, um in einem kleineren Unternehmen näher am Geschäft zu sein. Auch in München verrät er nicht, an welches Unternehmen er denkt. Nur so viel: „Ich werde nicht nach Amerika gehen. Dafür bin ich zu sehr Europäer.“

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