Wirtschaft : dm will vor allem in Berlin wachsen

Drogeriekette plant deutschlandweit 100 neue Filialen / Skepsis beim Versandhandel mit Pillen

Maren Peters

Berlin - Die Drogeriemarktkette dm will nach zweistelligem Wachstum seine Expansion fortsetzen. Auch im neuen Geschäftsjahr, das gerade begonnen hat, sollen rund 100 neue Filialen in Deutschland eröffnet werden, davon mindestens neun in Berlin. Das kündigte Götz Werner, der Vorsitzende der Geschäftsführung, am Donnerstag in Berlin an. Das Unternehmen mit Sitz in Karlsruhe will auch künftig vor allem organisch wachsen, Übernahmen schloss Werner aber nicht aus. „Wir prüfen alles, was auf den Tisch kommt.“

Konkurrent Schlecker hatte erst vor zwei Wochen angekündigt, die Kette Ihr Platz zu übernehmen und damit die Marktführerschaft auszubauen. Schlecker ist mit einem Gesamtumsatz von knapp sieben Milliarden Euro (2006) unangefochtener Branchenführer auf dem deutschen Drogerie-Markt. dm folgt als Nummer zwei mit 936 Filialen und rund vier Milliarden Gesamtumsatz vor Rossmann (2,2 Milliarden Euro). Die Unternehmen liefern sich einen harten Verdrängungswettbewerb. Für jede neue Filiale müsse eine andere schließen, sagte Werner. Auch sein Unternehmen mache pro Jahr rund 30 Geschäfte zu.

dm ist im vergangenen Jahr vor allem wegen zahlreicher Neueröffnungen gewachsen, 67 allein in Deutschland. Im Heimatmarkt stieg der Umsatz um 11,9 Prozent und überschritt damit zum ersten Mal die Marke von drei Milliarden Euro. Flächenbereinigt, also ohne die neuen Filialen, stand immer noch ein Plus von 5,1 Prozent. Zum Gewinn sagte Werner nur: „Wir sind sehr zufrieden“, das Ergebnis sei auf jeden Fall positiv.

Ehrgeiz, Branchenprimus Schlecker zu überrunden, hat Werner nicht. „Das macht keinen Sinn“, sagte er. Es reiche nicht aus, neue Filialen zu eröffnen, ohne die Produktivität im Auge zu behalten. Nach Angaben des Drogerie-Chefs erwirtschaftet jede dm-Filiale im Durchschnitt 270 000 Euro im Monat, Rossmann komme auf 150 000 Euro, Schlecker aber nur auf 45 000 Euro je Filiale.

Eher skeptisch äußerte sich Werner zur Zukunft des Apothekengeschäfts, das dm derzeit als erster Drogeriemarkt Deutschlands in 18 Filialen testet. Ob die Kooperation mit einer Versandapotheke ausgeweitet wird, ließ er offen, die rechtliche Situation sei nicht stabil, da noch ein letztinstanzliches Urteil ausstehe. „Wir müssen nicht zwingend einen Riesen-Umsatz machen“, sagte Werner.

Von der Möglichkeit, die Läden länger zu öffnen, habe das Unternehmen bislang nur zurückhaltend und abhängig vom Standort Gebrauch gemacht. „Lohnen tut es sich nie“, sagte Werner, der in Berlin gerade die 19. Filiale eröffnet hat. Erst vor vier Jahren hatte er in der Hauptstadt das erste Geschäft aufgemacht.

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